Neben der Therapie noch etwas mehr tun, um in einer schwierigen gesundheitlichen Situation das Optimum für sich zu erreichen: Dieser Wunsch vieler Patienten ist mehr als nachvollziehbar. »Doch was können wir unseren Patienten raten? Und gibt es vielleicht auch Risiken?« Darüber informierte Michael Höckel, Krankenhausapotheker in Kassel, in seinem Vortrag anhand zahlreicher Beispiele. Sie zeigen: Die Patientenfrage, ob oder welche Ergänzung sinnvoll sein kann, lässt sich selten allgemein beantworten. Sowohl die Krebserkrankung des Patienten und seine onkologische Therapie als auch das Ziel des Patienten gilt es jeweils zu berücksichtigen.
Grundsätzlich empfehlen können Apotheken ihren Patienten eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Trinkmengen und Bewegung. Bei Mikronährstoffen gelten dieselben Empfehlungen wie für Menschen ohne Krebserkrankung. Nicht immer gelingt es Patienten allerdings, die Zufuhrempfehlungen tatsächlich zu erreichen, zum Beispiel bei Entzündungen der Mundschleimhaut, Übelkeit und/oder Erbrechen oder Appetitlosigkeit, mit denen zahlreiche onkologische Therapien einhergehen. Eine Supplementation kann dann sinnvoll sein.
Sie sollte sich an den Empfehlungen für die tägliche Zufuhr orientieren und stets mit dem Onkologen abgesprochen werden. So können Antioxidanzien wie die Vitamine C oder E die Wirkung von Chemo- oder Strahlentherapien abschwächen. Zurückhaltung geboten ist außerdem bei hochdosierten Produkten. In manchen Fällen sei es ratsam, mittels Untersuchung den Versorgungsstatus zu erheben und bei einem Mangel eine geeignete Dosierung zu wählen, um diesen zu beheben, erläuterte Höckel. Dazu gehören unter anderem die Vitamine D und B12.
Therapienebenwirkungen zu reduzieren, gehört zu den häufig geäußerten Wünschen onkologischer Patienten. Keine Leitlinien-Empfehlung gebe es aufgrund der unzureichenden Datenlage für die orale Anwendung von Aloe vera bei Stomatitis. Hingegen könnten menopausale Symptome wie Hitzewallungen im Rahmen einer antiestrogenen Therapie bei Brustkrebs durch Traubensilberkerzenextrakt möglicherweise gelindert werden, so Höckel weiter. Entscheidend sei dabei nicht zuletzt die Extraktqualität. Auf die Mortalität oder Morbidität durch die Erkrankung selbst habe Traubensilberkerze hingegen keinen Einfluss.
Hoch im Kurs bei vielen Patienten stehen aktuell Curcumin aus der Gewürzpflanze Curcuma und Grünteeextrakte, deren wichtigster sekundärer Inhaltsstoff Epigallocatechingallat (EGCG) darstellt. Inhaltsstoffe in beiden besitzen eine hohe antioxidative Kapazität. Für Curcumin gilt: Es gibt derzeit keine ausreichenden Daten zum Einfluss auf den Krankheitsverlauf oder therapieassoziierte Nebenwirkungen. In hoher Dosierung könnten sie sich aber nachteilig auf die Krebstherapie auswirken. Auch Nebenwirkungen sind möglich: Oberbauchbeschwerden unter höher dosiertem Curcumin und Schlafstörungen sowie gastrointestinale Beschwerden unter EGCG. »Gegen eine orale Zufuhr in Form ihrer jeweiligen Lebensmittel spricht aber nichts«, betonte Höckel.