Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

DAK-Gesundheit-Auswertung
-
Krankenstand leicht gesunken

Die Bundesregierung plant höhere Hürden für Beschäftigte, sich bei der Arbeit krankzumelden. Im ersten Halbjahr sanken die Zahlen nun aber etwas, wie neue Kassendaten zeigen. Hält der Trend?
AutorKontaktdpa
Datum 20.07.2026  09:40 Uhr
Jüngere Beschäftigte fehlten seltener

Jüngere Beschäftigte fehlten seltener

Betrachtet nach dem Alter gingen Krankschreibungen demnach bei allen Beschäftigten unter 55 tendenziell zurück – besonders stark bei Jüngeren. So sank der Krankenstand bei 15- bis 19-Jährigen und bei 20- bis 24-Jährigen jeweils um 0,3 Prozentpunkte. Gegen den Trend habe es bei Über-60-Jährigen aber ein Plus von 0,3 Prozentpunkten gegeben, ergab die Analyse. Bei ihnen sei die Zahl der Krankschreibungen gesunken, deren Dauer sei aber gestiegen.

DAK-Vorstandschef Storm sagte mit Blick auf Langzeiterkrankungen, er begrüße die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gestartete Offensive für mehr Vorbeugung auch für die Arbeitswelt. Zielführend sei ebenso die geplante Einführung einer Teilkrankschreibung. »Das sind geeignete Instrumente, um den Krankenstand nachhaltig senken zu können.«

Höhere Hürden für Krankmeldungen

Um Fehlzeiten im Job zu verringern, plant die schwarz-rote Koalition jetzt auch strengere allgemeine Regeln für Krankschreibungen. So soll die verpflichtende Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag zur gesetzlichen Regel werden – statt wie bisher am vierten Tag, wobei Arbeitgeber schon eine frühere Vorlage verlangen können. In Firmen sollen abweichende Regeln vereinbart werden können. Wegfallen soll zudem die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen ohne extra Praxisbesuch.

Gegen die Pläne gibt es breite Proteste. Es grenze an Irrsinn, Abertausende Menschen für das reine Ausfüllen von Zetteln zusätzlich in die Praxen zu jagen, kritisierte etwa die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). »Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett – und nicht in die übervolle Praxis.«

Wie kommt man an eine Bescheinigung?

Kanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte hingegen, es gehe nicht darum, dass man direkt am ersten Tag in die Praxis gehen muss – zur Regel werden solle aber eine Bescheinigung vom ersten Krankheitstag. Möglich ist es schon, dass Ärzte den Beginn einer Arbeitsunfähigkeit rückdatieren – aber »nur ausnahmsweise und nur nach gewissenhafter Prüfung und in der Regel nur bis zu drei Tagen«, wie eine Richtlinie festlegt. Das Gesundheitsministerium (BMG) weist außerdem auf die Möglichkeit hin, Bescheinigungen per Videosprechstunde zu bekommen.

Bereits beschlossen ist die Einführung von Teilkrankschreibungen. Beschäftigte sollen sich so bei längeren Erkrankungen nur teilweise arbeitsunfähig schreiben lassen können, wenn sie und der Arbeitgeber es möchten – und zwar zu 25, 50 oder 75 Prozent der üblichen Wochenarbeitszeit. Generell weisen Kassen und das Statistische Bundesamt darauf hin, dass ein Anstieg der Fehlzeiten auch auf die seit 2022 geltende elektronische Übermittlung von Krankschreibungen zurückzuführen sei. Dies habe zu einer vollständigeren Erfassung geführt.

Mehr von Avoxa