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Prämiertes Projekt

Kostenlose Medikamente nach der Finanzkrise

Wenn die Wirtschaft am Boden liegt, bleibt vielen Menschen kein Geld mehr für Medikamente – so auch in Portugal nach der Finanzkrise. Auf Initiative der portugiesischen Apotheker wurde ein Programm zur Kostenübernahme ins Leben gerufen, das jetzt neben anderen Projekten beim Weltapothekerkongress in Abu Dhabi ausgezeichnet wurde.
Daniela Hüttemann
23.09.2019  17:00 Uhr

In Portugal müssen die Menschen fast 30 Prozent der Gesundheitsausgaben aus der eigenen Tasche bezahlen. Es wird geschätzt, dass einer von zehn Bürgern sich nicht alle Medikamente leisten kann, die er braucht – das sind mehr als eine Million Portugiesen. Hier springt die Initiative Associação Dignitude mit ihrem Programm »Abem« ein. Gegründet wurde sie vom nationalen Apothekerverband, dem portugiesischen Pharmaverband sowie einigen Vertretern aus dem sozialen Sektor.

Im Rahmen des Programms erhalten mittellose Patienten eine Karte, mit der sie landesweit in 574 teilnehmenden öffentlichen Apotheken ihre Medikamente kostenlos beziehungsweise lediglich gegen die übliche Servicegebühr sowie pharmazeutische Dienstleistungen erhalten. Finanziert wird das Programm aus Spenden, auch von Apotheken. Seit dem Start im Mai 2016 konnten so 7.000 bedürftige Patienten unterstützt werden.

Das Programm beschränkt sich aber nicht nur auf die reine Arzneimittelabgabe. Die teilnehmenden Apotheker werden auch in der Verbesserung ihrer pharmazeutischen und sozialen Kompetenzen unterstützt. Pharmaziestudenten können sich als Freiwillige einbringen, um zu lernen, welche Verantwortung die Apotheker tragen, auch im sozialen Bereich. Das Projekt wurde nun beim Weltapothekerkongress in Abu Dhabi mit dem Preis für die Verbesserung der pharmazeutischen Praxis ausgezeichnet.

»Das Programm hat die Rolle der Apotheker als essenziellen und gut erreichbaren Akteur im Gesundheitssystem in der Gesellschaft vorangebracht«, erklärte Duarte Santos, Vorstandsmitglied des portugiesischen Apothekerverbands. Durch den Zugang zur Arzneimittelversorgung hätten die Apotheker zudem dazu beigetragen, die Kosten für Notfallbehandlungen und Krankenhauseinweisungen zu reduzieren. Für jeden investierten Euro habe man 7,80 Euro Wertschöpfung generiert.

Beste Apothekenkampagne kommt aus Brasilien

Der FIP-Preis für die beste Kampagne zur Gesundheitsförderung geht an den brasilianischen Bundesapothekerverband. Gemeinsam mit dem größten Mediennetzwerk des südamerikanischen Staats konnte der Mehrwert der Apotheker im Rahmen eines Aktionstag in neun Städten bundesweit kommuniziert werden.

9,7 Millionen Zuschauer sahen live, welche Dienstleistungen Apotheker anbieten, zum Beispiel Schulungen zur sicheren Insulin-Applikation oder der korrekten Anwendung von Asthmasprays. Apotheker führten sogar Pap-Tests zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge durch. Während der Veranstaltung wurden bei mehr als 3.000 Menschen Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin-Werte oder Lungenfunktion bestimmt. Mehrere hundert Patienten wurden aufgrund auffälliger Werte an ihren Arzt verwiesen.

Auch Medikationsanalysen führten die Pharmazeuten durch. Dazu gab es zahlreiche Interviews für Radio, Fernsehen und Zeitungen. »Der Apothekerberuf hat sich in den vergangenen Jahren in Brasilien stark gewandelt und das Projekt war ein Weg, dies den Menschen zu zeigen«, sagte der brasilianische Apothekerpräsident Dr. Walter Jorge João.

Die höchste wissenschaftliche Auszeichnung des FIP verleiht, die Høst-Madsen-Medaille, ging an den niederländischen Pharmazieprofessor Dr. Meindert Danhof (Netherlands). Der eremitierte Forscher hat als erster pharmakodynamische mit pharmakokinetischen Modellen verknüpft. Heute sind solche biopharmazeutischen Berechnungen aus der Arzneimittelentwicklung nicht mehr wegzudenken. Danhof hat sich auch intensiv mit individualisierter Pharmakotherapie beschäftigt.

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