Wo Therapien geplant und durchgeführt werden, passieren auch immer Fehler. Um den Umgang mit Fehlern jeder Art und Medikationsfehlern ging es in einem zweiten interprofessionellen Seminar. Ziel war es, Studierende der Pharmazie und der Humanmedizin für die Bedeutung einer offenen Fehlerkultur zu sensibilisieren und den konstruktiven Umgang mit Fehlern zu vermitteln. Eine Ausweitung auf Angehörige und Auszubildende der Pflegeberufe ist geplant.
Im Seminar wurden sowohl Grundlagen der interprofessionellen Fehlerkommunikation als auch Häufigkeit, Arten und Auswirkungen von Fehlern in der medizinischen Versorgung thematisiert. Anhand praxisnaher Fallbeispiele wurde deutlich, dass Fehler häufig an Schnittstellen entstehen und weniger auf individuelles Fehlverhalten als auf systemische Faktoren und Kommunikationsdefizite zurückzuführen sind.
Durch gemeinsame Diskussionen und Übungen wurde trainiert, Fehler sachlich, transparent und lösungsorientiert im interprofessionellen Team zu kommunizieren. Das Seminar wurde pharmazeutisch von Professor Dr. Oliver Scherf-Clavel und ärztlich von Dr. Maria Burian, Oberärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am LMU Klinikum München, sowie von der Pflegewissenschaftlerin Birgit Wershofen vom Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin des LMU Klinikums betreut. Es leistet damit einen nachhaltigen Beitrag zur Etablierung einer gelebten Fehlerkultur und zur Verbesserung der Patientensicherheit in der pharmazeutischen Praxis.
Die im Anschluss durchgeführten studentischen Evaluationen fielen sehr positiv aus. Neben der als wertschätzend und konstruktiv wahrgenommenen Lernatmosphäre wurden insbesondere die Offenheit für Fragen und Diskussionsbeiträge sowie die strukturierte Moderation hervorgehoben. Die Teilnehmenden berichteten zudem, durch die gemeinsame Bearbeitung von Fallbeispielen ein vertieftes Verständnis für Problemfelder in der Arzneimitteltherapie und für therapeutische Entscheidungsprozesse entwickelt zu haben.
Als besonders bereichernd wurde die interaktive Ausgestaltung der Seminare im Rahmen der Gruppenarbeiten erlebt, die einen intensiven Austausch ermöglichte. Der direkte Dialog mit der jeweils anderen Profession wurde dabei als wertvolle Gelegenheit beschrieben, Einblicke in unterschiedliche fachliche Perspektiven, Verantwortlichkeiten und Herangehensweisen zu gewinnen und so das gegenseitige Verständnis zu fördern.
Aufgrund der Vielzahl an positiven Rückmeldungen sind die beiden Seminare inzwischen dauerhaft in das Curriculum der Klinischen Pharmazie an der LMU München integriert.