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Feinstaub

Kohlenstoffpartikel erreichen die Plazenta

Im Feinstaub enthaltene kleinste Kohlenstoffpartikel gelangen in die Plazenta und in den Kreislauf des Kindes. Das konnten belgische Forscher nun erstmals nachweisen. Die Ergebnisse stellen sie im Journal »Nature Communications« vor.
Christina Hohmann-Jeddi
19.09.2019
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Bei der unvollständigen Verbrennung von fossilen Brennstoffen entstehen unter anderem auch feinste Partikel Kohlenstoff (der sogenannte black carbon, BC), ein gesundheitlich relevanter Bestandteil von Feinstaub. Dieser hat epidemiologischen Studien zufolge negative Auswirkungen auf Schwangerschaften. Eine erhöhte BC-Belastung wird mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und einem geringen Geburtsgewicht des Kindes in Verbindung gebracht. Noch war aber unklar, ob die Partikel bis zum Fetus vordringen können oder ob sie eventuell indirekt über negative Auswirkungen auf die Mutter schädlich wirken.

Jetzt konnte ein Team um Dr. Hannelore Bové von der Hasselt-Universität in Diepenbeek, Belgien, nachweisen, dass BC-Partikel über die Lunge der Mutter aufgenommen im Blutkreislauf bis zur Plazenta gelangen, dort die Plazenta-Barriere überqueren und die fetale Seite des Mutterkuchens erreichen können. Mithilfe eines neu entwickelten hochauflösenden Bildgebungsverfahrens machten die Forscher BC-Partikel im Plazentagewebe von fünf Frauen, die eine Frühgeburt hatten, sowie von 23 Frauen, die ihr Kind zum berechneten Termin geboren hatten, sichtbar. Dabei zeigte sich, dass Mütter, die in der Schwangerschaft einer höheren BC-Belastung ausgesetzt gewesen waren, auch höhere BC-Werte in der Plazenta aufwiesen.

Welche Effekte die Kohlenstoffpartikel im Fetus haben, müsse in weiteren Studien untersucht werden, schreiben die Forscher, und auch ob sie möglicherweise weitere Schäden, die im Verlauf des Lebens auftreten, verursachen können.

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