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Mikrozephalie 

Können Dengue-Viren Zika-Viren entschärfen?

Eine Zika-Virusinfektion in der Schwangerschaft kann das ungeborene Kind massiv schädigen. Vor allem im Nordosten Brasiliens wurden Kinder mit schweren Fehlbildungen des Kopfes, einer sogenannten Mikrozephalie, geboren. Möglicherweise ist eine frühere Dengue-Infektion der Mutter kein Risiko-, sondern sogar ein Schutzfaktor gegen Zika-assoziierte Schäden.
Brigitte M. Gensthaler
20.05.2019
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Diese Überraschung erlebten Wissenschaftler, die nach Cofaktoren suchten, die das Fehlbildungsrisiko erhöhen. »Wir wissen sicher, dass eine Zika-Virus-Infektion während der Schwangerschaft den ungeborenen Fetus so schädigen kann, dass das Kind eine Mikrozephalie und andere gravierende Symptome entwickelt«, erklärt Professor Dr. Felix Drexler, Virusforscher an der Charité – Universitätsmedizin Berlin  und im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Doch warum hat die Zika-Infektion in der Schwangerschaft manchmal so schwere Folgen und manchmal nicht?

Verdächtigt als Cofaktoren wurden Dengue-Viren, die wie Zika-Viren von Stechmücken der Gattung Aedes übertragen werden und in Lateinamerika weit verbreitet sind. Das Dengue-Fieber gehört zu den häufigsten durch Mücken verbreiteten Erkrankungen der Welt, heißt es in einer Pressemeldung von Charité und DZIF.

Die Wissenschaftler vermuteten zunächst, dass die Antikörper, die der Mensch gegen Dengue-Viren bildet, bei einer späteren Zika-Infektion zu einer Schädigung des Fetus beitragen könnten. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. »Unsere Studie zeigt überraschenderweise, dass frühere Dengue-Infektionen gegen Zika-assoziierte Schäden schützen«, betont Drexler.

Neben Erbgutanalysen aller bekannten Dengue-Viren aus Brasilien führten die Wissenschaftler umfangreiche serologische Tests in Salvador, Brasilien, aus. Bei einer Fall-Kontroll-Studie im Nordostens des Landes erhobene Proben wurden auf Antikörper gegen Zika-Viren und gegen die vier verschiedenen Dengue-Serotypen getestet. Die Proben stammten von 29 Müttern, die eine Zika-Infektion während der Schwangerschaft und deren Kinder eine Mikrozephalie hatten, sowie von 108 infizierten Müttern mit gesunden Kindern.

Das Resultat: Eine bestehende Immunität gegen das Dengue-Virus verringerte signifikant das Risiko für eine Zika-Infektion mit fatalen Folgen für das Neugeborene . Dies lasse vermuten, dass eine Infektion mit verschiedenen Dengue-Virustypen vor der Entwicklung von Zika-bedingten Hirnschäden beim Ungeborenen eher schützt als diese fördert, resümieren die Studienautoren. Jetzt geht die Suche nach schädigenden Cofaktoren weiter.

DOI: 10.3201/eid2508.190113

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