Brandenburg bleibt weiterhin das einzige Bundesland ohne Pharmaziestudium. / © Imago/Johannes Koziol
»Die Frage nach der Einrichtung eines Pharmaziestudiengangs an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTUCS) stellt sich für die Landesregierung aktuell nicht«, heißt es in einer Antwort, wie der Tagesspiegel und der Nordkurier berichten.
Die brandenburgische Regierung aus SPD und CDU argumentiert, dass die haushälterischen Rahmenbedingungen und die strukturellen Herausforderungen einer solchen Einrichtung die Gründe für die Ablehnung der Einrichtung des Studiengangs seien. Somit bleibt Brandenburg weiterhin das einzige Bundesland ohne Pharmaziestudium.
Ein weiterer Grund ist laut der brandenburgischen Regierung, dass an einer Reihe von Studienorten ungenutzte Studienplatzkapazitäten in der Pharmazie vorhanden sind, beispielsweise in den östlichen Bundesländern.
»Wir sehen schon sehr deutlich, dass das Land Brandenburg hier in der Verantwortung ist, für ausreichend pharmazeutisches Personal in den Apotheken zu sorgen«, teilte Mathias Braband-Trabandt, Pressesprecher des Apothekerverbands Brandenburg auf Anfrage der PZ mit. »Wir sind erstaunt, dass die Landesregierung diese Verantwortung auf andere Länder abwälzen will.«
Der Pressesprecher argumentiert, dass Pharmazeuten, die ihr Praktikum in einer regionalen Apotheke absolvieren, später eher in einer Apotheke vor Ort in Brandenburg arbeiten könnten. Ein ähnlicher »Klebeeffekt« sei auch in anderen Studiengängen zu beobachten.
Auch die Apothekerkammer Brandenburg reagiert mit Unverständnis auf die Antwort der Landesregierung. »Ein eigener Pharmaziestudiengang ist kein optionales Projekt«, sagt Ramona Reimann, Sprecherin der Apothekerkammer gegenüber dem Tagesspiegel und dem Nordkurier. Zudem erklärt sie, dass bereits heute rund 35 Prozent der Apothekerinnen und Apotheker über 60 Jahre alt sind. »Bis 2030 werden 338 Apothekerinnen und Apotheker das Rentenalter erreichen, darunter 142 Apothekeninhaberinnen und -inhaber.«
Tatsächlich setzt sich das Apothekensterben sowohl bundesweit als auch in Brandenburg fort. Eine Abfrage der PZ zeigt, dass es im Bundesland seit Jahresbeginn vier Schließungen, aber keine Neueröffnung gab. Somit gab es in Brandenburg am 31. März noch 519 Apotheken.
Kutsche, der die Anfrage stellte, kritisierte die Entscheidung: »Wer Fachkräfte nicht vor Ort ausbildet, verspielt sehenden Auges die Chance, sie langfristig zu binden«, sagte der BSW-Politiker gegenüber dem Tagesspiegel. Angesichts des Apothekensterbens sei dies ein politisches Versäumnis mit Ansage. Die Landesregierung verweigere sich damit, genau wie bei der verschleppten Ärzteausbildung, einer vorausschauenden Gesundheitspolitik. »SPD und CDU setzen die Gesundheit der Brandenburger aufs Spiel«, sagte er.
Allerdings haben sich SPD und CDU erst im März auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Davor regierte die SPD gemeinsam mit dem BSW das Bundesland. Auch die ehemalige Gesundheitsministerin Britta Müller gehörte dem BSW an, bevor sie nach dem Koalitionsbruch Anfang des Jahres wieder parteilos wurde.
Wie der Tagesspiegel berichtet, kündigte CDU-Fraktionschef Steeven Bretz an, trotz der Absage der Landesregierung an dem Thema dranzubleiben. Zwar sei das Thema in den Koalitionsverhandlungen besprochen worden, dennoch seien die finanziellen Aufwendungen enorm. Somit habe sich die jetzige Regierung entschieden, den Schwerpunkt auf die medizinische Versorgung zu legen. Das Thema Pharmazie wolle man aber weiter verfolgen.