Die jüngsten Entwicklungen unterschieden sich auch je nach Impfstoff. Am weitesten verbreitet waren Rückgänge bei den Hib- und Polio-Impfungen. Jeweils 20 EU-Länder verzeichneten hier rückläufige Trends. Hämophilus influenza B ist ein Bakterium, das vor allem bei Säuglingen schwere Infektionen wie Hirnhautentzündung oder Kehlkopfentzündung auslösen kann. Polio (Kinderlähmung) ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die zu dauerhaften Lähmungen führen kann.
Bei der Hepatitis-B-Impfung war in 18 Ländern ein Rückgang zu beobachten, bei der DTP-3-Impfung in 17 Ländern. Bei der Pneumokokken-Impfung waren es 16, bei der Röteln-Impfung 15 Länder.
Die Masern-Impfung wies in jüngster Zeit das relativ ausgewogenste Muster auf: In 14 Ländern war ein Anstieg zu verzeichnen, in 13 Ländern ein Rückgang. Bei der Röteln-Impfung waren 12 Länder im Aufwärtstrend und 15 im Abwärtstrend.
Luxemburg und Portugal waren die einzigen EU-Länder, die bei allen sieben Impfindikatoren eine Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent erreichten. Belgien, Frankreich und Lettland gelang das bei sechs der sieben Indikatoren. In Deutschland lag die Rate im Jahr 2024 hingegen bei fünf Indikatoren unterhalb dieser Schwelle. Rumänien verzeichnete bei allen sieben Indikatoren einen Wert von unter 80 Prozent. Zu Ungarn war keine Aussage möglich, weil zu zwei Impfungen Daten fehlten.
Der Zielwert von 95 Prozent wird häufig als Maßstab für eine ausreichend hohe Durchimpfungsrate genutzt. Fällt der Prozentsatz darunter, können vermeidbare Krankheiten wieder verstärkt auftreten oder sogar Ausbrüche gerade in Bevölkerungsgruppen und Gemeinden mit Immunitätslücken verursachen. Der genaue Mindestwert und die Auswirkungen einer geringeren Rate variieren dabei je nach Krankheit, Impfplan und epidemiologischem Kontext, wie die Experten anmerken.
Sie weisen zudem darauf hin, dass die Länderdaten im Kontext der Trends im Zeitverlauf interpretiert werden sollten: Ein Land mit scheinbar hohen Durchimpfungsraten könne besorgniserregende Rückgänge aufweisen, ein Land mit sich bessernden Raten weiter unter den für einen Bevölkerungsschutz erforderlichen Werten bleiben.
»Selbst in Ländern mit einer relativ hohen nationalen Durchimpfungsrate kann eine geringere Impfbereitschaft in bestimmten Regionen, Bevölkerungsgruppen oder Gemeinden zu lokalen Immunitätslücken führen und das Risiko von Ausbrüchen erhöhen«, warnt das Team. Gefährdet seien vor allem Säuglinge, ältere sowie immungeschwächte Menschen.