Impflücken gefährden vor allem Säuglinge, ältere sowie immungeschwächte Menschen. Diese sollten sich unbedingt gemäß den Empfehlungen impfen lassen – gerade Säuglinge und Kleinkinder zu den empfohlenen Zeiten, nicht später. / © Getty Images/Geber86
Vielfach begann der Rückgang zwischen 2019 und 2022, also während der Corona-Pandemie und in der Zeit danach, schreibt ein Autorenteam im Fachjournal »The Lancet Regional Health – Europe«. Die Studie war allerdings nicht darauf ausgelegt, die Ursachen zu klären. Als mögliche Faktoren werden unter anderem Fehlinformationen und Veränderungen im Vertrauen in Impfstoffe genannt.
Impfungen zählten zu den wirksamsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, betonen die Autoren. Rückläufige Impfraten stellten eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Zunehmende Impfskepsis habe in der EU bereits zum Wiederauftreten vermeidbarer Krankheiten geführt.
Das Team um Luigi Russo von der Università Cattolica del Sacro Cuore in Rom analysierte WHO- und Unicef-Daten aus den Jahren 1980 bis 2024. Berücksichtigt wurden die Durchimpfungsraten für sieben routinemäßige Impfungen beziehungsweise Impfserien europäischer Kinderimpfprogramme: Jeweils die dritte Dosis gegen
Demnach zeigten die meisten EU-Länder über die vier Jahrzehnte zwar deutliche langfristige Verbesserungen, in jüngster Zeit aber eine überwiegend ungünstige Entwicklung. 16 der 27 EU-Länder wiesen zuletzt bei mindestens vier der sieben untersuchten Impfindikatoren rückläufige Trends auf, berichtet das Team.
In Deutschland waren (wie auch in Spanien) die Raten von fünf der sieben Impfungen betroffen. Nur noch bei Hepatitis B und der ersten Dosis eines Masern-Impfstoffs waren noch leicht steigende Trends zu verzeichnen. Damit gehört die Bundesrepublik zu den stärker betroffenen EU-Staaten, wenn auch nicht zur Gruppe mit den ausgeprägtesten Rückgängen.
Fünf Länder mit sechs von Rückgängen betroffenen Impfungen wurden erfasst: Kroatien, Tschechien, Estland, Litauen und die Slowakei. In sechs Ländern (Bulgarien, Zypern, Irland, Niederlande, Rumänien und Schweden) waren sogar alle sieben einbezogenen Impfungen betroffen. Zu den Ländern mit überwiegend positiven Trends in jüngerer Zeit zählten Ungarn, Luxemburg, Dänemark und Portugal.