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Fedratinib

Kinasehemmer verkleinert Milz bei Myelofibrose

Fedratinib ist eine neue Option für Patienten mit der bösartigen Knochenmarkerkrankung Myelofibrose. Der Januskinasehemmer führt zu einer Verkleinerung der bei diesen Patienten krankhaft vergrößerten Milz.
Annette Rößler
05.04.2021  08:00 Uhr

Die Myelofibrose ist eine seltene maligne Erkrankung, bei der das blutbildende Knochenmark zunehmend von Bindegewebe verdrängt wird. Die Blutbildung findet dadurch mehr und mehr in anderen Organen wie der Leber und/oder der Milz statt, was im Verlauf zu einer starken Vergrößerung der Milz führt. Man unterscheidet die primäre Myelofibrose von der sekundären Form, die etwa infolge anderer Knochenmarkserkrankungen wie der Polycythaemia vera (PV) oder der essenziellen Thrombozythämie (ET) entstehen kann. Januskinasen (JAK), insbesondere die JAK2, sind bei mehr als der Hälfte der Myelofibrose-Patienten aufgrund von Mutationen überaktiv. Dies ist ein wesentlicher Krankheitstreiber.

Seit 2012 ist der JAK1/2-Hemmer Ruxolitinib (Jakavi®) für die Behandlung von Myelofibrose-Patienten verfügbar. Für Patienten, die diesen nicht vertragen oder gegen ihn resistent geworden sind, gibt es nun eine neue Option: Fedratinib (Inrebic® 100 mg Hartkapseln, Celgene). Er soll eingesetzt werden zur Behandlung krankheitsbedingter Splenomegalie (Milzvergrößerung) oder von Symptomen bei Erwachsenen mit primärer Myelofibrose oder sekundärer Myelofibrose infolge von PV oder ET. Eine Vorbehandlung mit Ruxolitinib ist erlaubt, aber keine Pflicht.

Fedratinib hemmt unter den Januskinasen selektiv die JAK2 sowie zusätzlich die FMS-ähnliche Tyrosinkinase 3 (FLT3). Als Resultat wird die Proliferation maligner Zellen gedrosselt. Die Blutbildung kann wieder mehr im Knochenmark stattfinden und das Milzvolumen nimmt ab.

Besser verträglich mit fettreichem Essen

Die empfohlene Dosis beträgt 400 mg einmal täglich. Die Einnahme mit einer fettreichen Mahlzeit kann die Häufigkeit von Übelkeit und Erbrechen verringern und ist daher zu empfehlen. Um die Verträglichkeit noch mehr zu verbessern, wird in den ersten acht Wochen der Therapie die zusätzliche Gabe von Antiemetika empfohlen. Kommt es zu Diarrhö, soll diese sofort mit Antidiarrhoika behandelt werden.

Die Kapseln dürfen nicht geöffnet, zerbrochen oder zerkaut werden, sondern sollen im Ganzen vorzugsweise mit Wasser geschluckt werden. Eine versäumte Dosis soll nicht nachgeholt, sondern die Einnahme dann wie geplant am Folgetag fortgesetzt werden. Verschiedene Nebenwirkungen können eine Dosisreduktion, eine Unterbrechung oder das dauerhafte Absetzen von Inrebic erforderlich machen. Die Fachinformation enthält hierzu genaue Angaben.

Im Darm behindert Fedratinib die Aufnahme von Thiamin (Vitamin B1). Ein Mangel an Thiamin sollte deshalb vor Beginn einer Fedratinib-Therapie behoben sein und der Thiaminspiegel sollte auch während der Therapie regelmäßig kontrolliert werden. Dies ist besonders wichtig, da eine schwere Nebenwirkung von Fedratinib, die Wernicke-Enzephalopathie, auf einen Mangel an Thiamin zurückzuführen ist. Jede Auffälligkeit im Verhalten des Patienten, die unter der Therapie auftritt, sollte daher nicht nur Anlass für eine neurologische Abklärung, sondern auch für eine Kontrolle des Thiaminspiegels sein.

Ebenfalls vor Beginn der Therapie und dann in regelmäßigen Abständen muss ein großes Blutbild inklusive Kontrolle der Leberwerte gemacht werden. Bei schwerer Leberfunktionsstörung soll Fedratinib nicht angewendet werden.

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