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GLP-1-Alternative
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KI findet appetithemmendes Peptid mit neuem Mechanismus

Bioaktive Peptide im menschlichen Genom zu identifizieren, ist ein äußerst schwieriges Unterfangen. Dabei hält das Genom Überraschungen bereit, die pharmazeutisch/medizinisch äußerst nützlich sein könnten. Diesem Problem näherten sich jetzt Forschende mit Methoden der künstlichen Intelligenz und fanden dabei ein kleines Peptid, das den GLP-1-Agonisten Konkurrenz machen könnte.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 13.03.2025  07:00 Uhr
Appetitregulation bereits nach peripherer Applikation

Appetitregulation bereits nach peripherer Applikation

Pharmakologische Tests zeigten, dass BRP bereits nach peripherer Applikation die Hypothalamusregion aktiviert und zentrale FOS-Expression induziert. FOS ist Mitglied eines Transkriptionsfaktor-Komplexes, der andere Gene aktiviert, um auf eine initiierte neuronale Aktivität zu reagieren.  Signaltransduktionsanalysen ergaben, dass BRP den Transkriptionsfaktor CREB (cAMP-responsive element binding protein) aktiviert. Diese Aktivierung erfolgt über einen G-Protein gekoppelten Rezeptor (GPCR), dessen aktivierendes Gα-Protein die CREB-FOS-Signaltransduktionsachse in neuronalen Zellen stimuliert, was dann eine zentrale anorektische Wirkung nahelegt.

In vivo reduzierte BRP die Nahrungsaufnahme in Mäusen dosisabhängig und führte in Langzeitstudien zu einer signifikanten Reduktion der Fettmasse, ohne den Muskelanteil zu beeinflussen. Mechanistisch agiert BRP unabhängig von bekannten Appetitregulationswegen, darunter GLP-1, Leptin und Melanocortin-4-Rezeptor (MC4R).

Vergleichsstudien in den Maus- und Schweinemodellen mit GLP-1-Analoga bestätigten eine vergleichbare Effektivität, jedoch ohne gastrointestinale Nebenwirkungen. Die Aktivität des Peptids ist struktursensitiv, wobei insbesondere eine Leucin-Aminosäure an Position 8 für die biologische Wirkung essenziell ist.

Die Entdeckung von BRP demonstriert das Potenzial computergestützter Peptidvorhersage für die Identifikation neuer therapeutischer Kandidaten unter anderem, aber nicht ausschließlich, in der Adipositasforschung. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um den zugehörigen Rezeptor zu identifizieren und seine physiologische Funktion sowie mögliche klinische Anwendungen weiter zu validieren.

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