| Juliane Brüggen |
| 16.04.2026 12:15 Uhr |
Bei der Mitgliederversammlung in Mainz gab es viel zu berichten. / © PZ/Brüggen
Von der Achterbahnfahrt ins Riesenrad – so beschrieb Jan-Niklas Francke, Vorsitzender des LAV, die aktuelle Lage der Apotheken. Nach dem turbulenten Jahr 2024 mit Skonti-Urteil und Vorhaben wie »Apotheke light« schien es mit der neuen Bundesregierung zunächst bergauf zu gehen – wie in einem Riesenrad. Die Ausarbeitungen zum Koalitionsvertrag machten Hoffnung, dass die Apotheken tatsächlich gestärkt werden sollen. »Es gab einen konstruktiven Austausch«, so Francke. »Da ist ein Vertrauen entstanden, was wir lange nicht mehr hatten.«
Doch aktuell stehe die Riesenrad-Gondel nicht mehr oben, wo man »einen tollen Fernblick« hat, sondern unten. »Das ist das Problem, was wir im Moment haben: Hier wird Weitsicht, Zuversicht und Vertrauen ersetzt durch ein kurzsichtiges, von Sparzwängen getriebenes Agieren«, so Francke.
Die geplante PTA-Vertretungsbefugnis sehe der Verband etwa als Angriff auf das Fremdbesitzverbot, die vorgesehene Regelung zu Zweigapotheken säge an der Grundfeste des Mehrbesitzverbots. Nur Vollapotheken könnten leisten, was die Gesellschaft braucht: »Krisenfeste, stabile Betriebe, die jederzeit in der Lage sind, Arznei-, Hilfsmittel, Verbandsstoffe und so weiter zu liefern.« Ein weiterer Schmerzpunkt: Die Ungleichheit zwischen Vor-Ort-Apotheken und internationalen Versandapotheken. »Wir müssen endlich mal klarstellen, dass die Preisbindung für Rx-Arzneimittel international gilt.« Auch die Anforderungen für die Temperaturkontrolle müssten durchgesetzt werden.
Die Honoraranpassung auf 9,50 Euro sei für ihn gesetzt, sagte Francke – nicht nur der Bundesrat stehe dahinter, auch die Fraktionen der Regierungsparteien hätten sich dazu bekannt, ebenso wie die Bevölkerung in einer Petition. Doch die Apotheken würden immer wieder hingehalten. Es müsse endlich handfeste Bekenntnisse geben, forderte der Vorsitzende. Zur Umsetzung reiche eine Unterschrift von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf der Änderungsverordnung zur Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV), in Abstimmung mit Finanz- und Wirtschaftsministerium.
Essenziell sei außerdem ein dynamischer Ausgleich: »Das heißt, Kosten und Inflation müssen ausgeglichen werden, und zwar jährlich, egal was passiert.« Denn: »Das, was wir gerade zum dritten Mal erleben – nach Corona und der Ukrainekrise – mit der nächsten Energiekrise, das kann den Apotheken so nicht zugemutet werden.« Die Verhandlungslösung mit verbindlichen Indizes begrüßte Francke, sie müsse zeitnah umgesetzt und die Schiedsstellenentscheidungen auf sechs Monate begrenzt werden.
Dass das Honorar – unter Berücksichtigung von Verbraucherkostenindex und Inflation - schon 2013 auf 9,50 Euro hätte erhöht werden müssen, zeigte Francke anhand einer Grafik. Dort ebenfalls zu sehen: der rapide Rückgang der Apothekenzahl seit 2013, aktuell sind es demnach fast minus 25 Prozent verglichen mit 2004. Mit einer angemessenen Honoraranpassung »wäre das alles nicht passiert«, so Francke. »Das ist ein ganz klarer Zusammenhang, dass wir wirtschaftlich abgehängt werden.« Aktuell müsste das Honorar den Berechnungen zufolge mit Inflationsausgleich bei 13,20 Euro liegen.
Francke stellte die sinkende Apothekenzahl der fehlenden Honorarerhöhung gegenüber. / © PZ/Brüggen
Die Argumente lägen auf dem Tisch, so Francke, man bemerke jedoch »Störfeuer«, nachdem die Finanzkommission im Gesundheitswesen ihre Sparvorschläge gemacht hat, von Seiten der gesetzlichen Krankenkassen, aber auch von Teilen der Medien – mit dem Tenor: »Alle müssen abgeben, nur die Apotheken nicht.« Francke sagte dazu: »Wir haben die ganze Zeit abgegeben, ihr seid jetzt nur mit im Boot.« Diese Botschaft müsse bis Ende April ankommen. »Wir müssen klarmachen, dass wir schon viel mehr bezahlt haben, als alle jetzt abgeben können – Milliarden bezahlt durch Verzicht und trotzdem mehr Leistung.«
Die Vorschläge der Kommission, die Finanzmittel für die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) zurückzuführen und die Honorarerhöhung zu staffeln, folgten einer »kruden Logik«. Die Erhöhung des Kassenabschlags – eine Maßnahme »aus der Mottenkiste der Vorgängerregierung«. Auf solche »Taschenspielertricks« würden die Apotheken nicht hereinfallen, betonte Francke. »Das kann keiner ernst meinen, der mit uns vertrauensvoll umgeht.«
Man könne die Gesundheitskosten auf ganz andere Weise bremsen: Indem die Politik auf leistungsfähige und starke Apotheken setze, um Prävention zu fördern. »Denn das ist dann nicht mehr kurzsichtige Sparpolitik, das ist weitsichtige Strukturpolitik.«