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Kommentar zu Astra-Zeneca

Keine leichte Kost

Die Europäische Arzneimittelagentur hat heute die Zulassungsempfehlung für die Covid-19-Vakzine von Astra-Zeneca ausgesprochen – ohne Einschränkungen. PZ-Senior-Editor Theo Dingermann ist damit nicht einverstanden.
Theo Dingermann
29.01.2021  18:12 Uhr

Da ist tatsächlich eine Bombe geplatzt. Kurz nach 16 Uhr gab die EMA ihre Empfehlung zur Zulassung des Impfstoffs des britisch-schwedischen Unternehmens Astra-Zeneca und der Universität Oxford bekannt. Wer erwartet hatte, dass eine mögliche Zulassungsempfehlung zumindest mit erheblichen Einschränkungen der Anwendung und einer eindringlichen Anmahnung für zusätzliche Studien verknüpft sein müsste, traute seinen Augen nicht. Nichts von alledem! Für gut befunden wie eingereicht, so lautete das Urteil.

Das ist mehr als überraschend, erwies sich doch der Weg hin zu einem Zulassungsantrag als äußerst holprig. Aber weder gravierende Fehler im Verlaufe der Zulassungsstudie(n) und teils kaum vergleichbare Zeitintervalle zwischen der ersten Impfdosis und der Boostdosis noch eine überaus mäßige Wirksamkeit schienen für die Experten der EMA Gründe darzustellen, eine Zulassungsempfehlung wenigstens mit großen Fragezeichen zu versehen.

Man ließ sich offensichtlich auch nicht von dem Urteil anderer Experten, darunter denen der Ständigen Impfkommission (STIKO), beeindrucken. Diese waren nach intensiver Begutachtung der publizierten Studiendaten zu dem Ergebnis gekommen, den Impfstoff nur für Menschen jünger als 65 Jahren zu empfehlen.

Man wird sehen, wie diese überraschende EMA-Empfehlung akzeptiert wird. Es ist schwer vorstellbar, dass eine impfwillige Person einen Impfstoff akzeptieren wird, dessen Anwendung zwar sicher, aber nur zu 59 Prozent wirksam zu sein scheint. Für informierte Personen sollte klar sein, dass derzeit zwei weitere Covid-19-Impfstoffe zugelassen sind, die eine etwa 95-prozentige Wirksamkeit demonstriert haben.

Zwar ist ein 59-prozentiger Schutz auch ein relevanter Schutz, wie während des Pressebriefings der EMA betont wurde. Und dies gilt umso mehr, je größer der Mangel an besseren Alternativen ist. Dann jedoch ist es zwingend notwendig, einen informierten Konsens herbeizuführen, um sicherzustellen, dass diejenigen, die dieser suboptimalen Option zustimmen, sich nicht in zu großer Sicherheit wiegen.

Wie es heißt, ist in Deutschland aber eine Wahl des Impfstoffs nicht möglich. Dies rückt diesen Impfstoff verdächtig nahe an eine Zweiklassen-Medizin.

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