Die Forschenden betonen allerdings, dass ihre Daten nur Kinder und Jugendliche erfassen, die bereits eine Brille verordnet bekamen. Kinder ohne Sehkorrektur seien in der Analyse nicht enthalten. Außerdem beruhten die Daten auf realen Verordnungen aus Optikbetrieben und nicht auf standardisierten augenärztlichen Untersuchungen.
Der Anstieg in Ostasien werde unter anderem von der extremen und frühen Intensität der schulischen Ausbildung und dem gravierenden Mangel an Zeit im Freien begünstigt, hieß es. Im deutschen System und Lebensstil seien diese Faktoren weniger ausgeprägt oder würden besser ausgeglichen.
Das Team um Lagrèze fand auch keinen Hinweis auf ein Myopie-Plus im Zuge der Corona-Pandemie. »Dies widerlegt die Befürchtung, dass die Covid-19-Pandemie und die zunehmende Digitalisierung in Deutschland einen Anstieg der Kurzsichtigkeit während der Quarantäne ausgelöst haben, wie er in anderen, vorwiegend asiatischen Studien berichtet wurde.«
Schon manche Dreijährige werden täglich vor Smartphone- oder Tablet-Bildschirme gesetzt. Das kann ihrer Sehkraft lebenslang schaden, warnen Mediziner. Dabei macht Analysen zufolge die Dosis das Gift: Bei bis zu etwa einer Stunde Bildschirmzeit pro Tag steigt das Risiko kaum, danach bedeutet jede weitere Stunde ein deutliches Risikoplus von jeweils etwa 20 Prozent. Ab etwa fünf Stunden Bildschirmzeit flacht die Kurve ab, das Risiko steigt nur noch geringfügig weiter an.
Entscheidend ist Experten zufolge der Abstand zum Auge, daher habe die Zeit am Smartphone, das oft 20 Zentimeter oder näher vor den Augen gehalten wird, wohl besonders großen Einfluss. Ständiges Nahsehen führt zu einer Anpassungsreaktion, mit der das Auge die energieaufwendige Muskelarbeit verringert: Der Augapfel wächst in die Länge, der Brennpunkt des Auges liegt in der Folge vor der Netzhaut. Nahe Objekte werden dadurch schon mit weniger Muskelarbeit scharf gesehen, entfernte Objekte aber unscharf. Umkehren lässt sich Kurzsichtigkeit nicht.