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Deutschland
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Keine Epidemie der Kurzsichtigkeit bei Kindern

Wenig Zeit draußen, viel vor Bildschirmen: In vielen Ländern ist die Zahl kurzsichtiger Kinder dadurch immens gestiegen. In Deutschland scheint ein Plateau erreicht.
AutorKontaktdpa
Datum 30.06.2026  10:30 Uhr
Keine Epidemie der Kurzsichtigkeit bei Kindern

Die Sehkraft ganzer Gesellschaften hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mit schier unglaublicher Geschwindigkeit verschlechtert. In Deutschland scheint aber längst ein Plateau erreicht, wie ein Forschungsteam im Fachjournal »Frontiers in Public Health« berichtet. Bei Kindern und Jugendlichen mit Brille sei in den vergangenen 25 Jahren keine Zunahme der Kurzsichtigkeit mehr festzustellen. Offenbar milderten regionale Umwelt- und Lebensstilfaktoren die globalen Trends zur Kurzsichtigkeit hierzulande wirksam ab.

Die Daten zeigen auch, dass Menschen in Deutschland nicht beschleunigt kurzsichtiger werden. Der mittlere Wert und die Wahrscheinlichkeit, wegen Kurzsichtigkeit eine Brille zu erhalten, blieben weitgehend stabil. Bei jüngeren Jahrgängen zeigte sich sogar eine leichte Tendenz zur Weitsichtigkeit.

Immenser Anstieg in asiatischen Ländern

Bei Kurzsichtigkeit, auch Myopie genannt, werden entfernte Objekte unscharf wahrgenommen. Vor allem Ostasien hatte in den vergangenen Jahrzehnten einen immensen Anstieg verzeichnet. Der Anteil Kurzsichtiger bei jungen Erwachsenen sei dort rasant von 20 bis 40 Prozent vor dem Zweiten Weltkrieg auf 60 bis 90 Prozent heute gestiegen. In Europa habe es eine langsamere Verbreitung gegeben. Prognosen zufolge pendele sich der Anteil Kurzsichtiger in Europa bei etwa 40 Prozent ein.

Das Team um Wolf Lagrèze von der Uniklinik Freiburg hatte rund 1,25 Millionen Brillenverordnungen von etwa 437.700 Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 18 Jahren aus den Jahren 2001 bis 2025 analysiert. Es wurde festgelegt, ab welcher Stärke der Fehlsichtigkeit ein Auge als kurzsichtig eingestuft wird – schon bei einem relativ geringen Kurzsichtigkeitswert von minus 0,50 Dioptrien oder mehr.

»Entgegen der weit verbreiteten Annahme einer sich rapide beschleunigenden globalen Myopie-Epidemie fanden wir zwischen 2001 und 2025 keinen Anstieg der myopen Brillenverordnungen.« Brillen würden heute zwar im Mittel in jüngerem Alter erstmals verschrieben, das gehe aber womöglich auf die gestiegene Aufmerksamkeit und frühere Verschreibung auch schon bei recht niedrigen Werten zurück. »Unsere Ergebnisse bestätigen letztlich eine kürzlich durchgeführte europäische Metaanalyse, die darauf hinweist, dass die Myopie-Prävalenz in Europa seit dem Jahr 2000 weitgehend stagniert.«

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