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OVG Münster

Kein Recht auf Medikament zur Selbsttötung

Darf der Staat Schwerkranken den Weg zu einem Betäubungsmittel öffnen, damit sich diese selbst töten können? Ein Gericht in Münster sagt nein und appelliert an den Bundestag, eine gesetzliche Basis für den selbstbestimmten Tod zu schaffen.
dpa
PZ
02.02.2022  18:02 Uhr
Kein Recht auf Medikament zur Selbsttötung

Geklagt hatten zwei Männer und eine Frau, die an unterschiedlichen schweren Krankheiten leiden, darunter Multiple Sklerose und Krebs. Sie fordern vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Erlaubnis zum Erwerb des Betäubungsmittels Pentobarbital-Natrium, um sich selbst zu töten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar 2020 in einem Urteil das Grundrecht auf selbstbestimmtes Sterben unterstrichen. Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, das bei Rechtsstreitigkeiten für das BfArM zuständig ist, hat die Klage am Mittwoch abgewiesen. Bereits in der Vorinstanz waren die Klagen der Schwerkranken aus Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Baden-Württemberg nicht erfolgreich gewesen.

»Schwierige ethische Fragen«

Laut Betäubungsmittelgesetz ist nach Überzeugung des OVG keine Erlaubnis möglich. Der Gesetzgeber habe hier nicht die Nutzung eines Betäubungsmittels zur Selbsttötung gemeint, sondern zur Heilung von Krankheiten oder Beschwerden. Gudrun Dahme, Vorsitzende Richterin in dem Verfahren, sprach zum Auftakt der mündlichen Verhandlung von schwierigen Fällen. »Allerdings nicht unbedingt rechtlich. Wir haben es hier mit schwierigen ethischen Fragen zu tun«, sagte Dahme. »Wir müssen aber juristisch entscheiden und sind kein Ethikrat«, sagte die Richterin. Dabei gehe es neben dem Grundrecht auf selbstbestimmtes Sterben um die Abwägung der Suizidprävention und das Vorbeugen des Missbrauchs von Betäubungsmitteln. Der staatliche Schutz des Lebens stehe im Gegensatz zum Grundrecht auf Sterben.

Das OVG hält es laut seiner Urteilsbegründung mittlerweile in Deutschland für möglich, mithilfe eines Arztes oder Sterbehilfeorganisationen aus dem Leben zu scheiden. Das gelte auch für die Kläger. Auch gebe es eine Alternative zu Pentobarbital-Natrium. Auch mit einer Kombination aus verschiedenen, verschreibungspflichtigen Mitteln sei ein selbstbestimmter Tod möglich. »Das vom Bundesverfassungsgericht festgestellte Grundrecht laufe somit nicht ins Leere.«

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