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Meningokokken-Impfung
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Kein Kreuzschutz vor Gonorrhö

Gegen Gonorrhö gibt es keinen Impfstoff. Beobachtungsstudien haben aber Hinweise darauf geliefert, dass eine Impfung gegen Meningokokken einen gewissen Kreuzschutz vor Gonorrhö bietet. Dies hat sich nun in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie nicht bestätigt.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 10.07.2026  16:20 Uhr

Gonorrhö ist eine Geschlechtskrankheit, die durch das gramnegative Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursacht wird. Weltweit gab es 2020 geschätzt 82,4 Millionen Fälle von Gonorrhö. Besonders betroffen sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), junge Erwachsene und Angehörige vulnerabler Gruppen wie Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, Transgender-Personen sowie Menschen mit HIV-Infektion. Zunehmende Resistenzen von N. gonorrhoeae sind besorgniserregend, vor allem da kein zugelassener Impfstoff zum Schutz vor Gonorrhö existiert.

Das Bakterium ist eng verwandt mit Neisseria meningitidis, einem Erreger, der unter anderem eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) verursachen kann. Gegen ihn gibt es diverse zugelassene Impfstoffe, die sich voneinander darin unterscheiden, gegen welche Serogruppen sie schützen. Unter anderem ist der Vierkomponenten-Impfstoff 4CMenB gegen Meningokokken der Serogruppe B verfügbar (in Deutschland Bexsero®), den die Ständige Impfkommission (STIKO) für alle Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten empfiehlt.

In Beobachtungsstudien war aufgefallen, dass Personen, die mit 4CMenB geimpft waren, ein geringeres Risiko für eine Gonorrhö hatten. Zuletzt bestätigte eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse, die 2024 im »Journal of Infection« erschien, eine Risikoreduktion um 38 Prozent. Man nahm an, dass es sich bei diesem Effekt um eine Kreuzimmunität handle.

Studie mit Hochrisiko-MSM in Australien

Vor diesem Hintergrund wurde die GoGoVax-Studie initiiert, eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Multizenterstudie mit 654 MSM in Australien. Ein Einschlusskriterium war, dass die Teilnehmer innerhalb der letzten 18 Monate bereits eine N.-gonorrhoeae-Infektion oder Syphilis gehabt hatten, weil dies einen Risikofaktor für eine erneute Infektion mit N. gonorrhoeae darstellt. Des Weiteren mussten die Teilnehmer HIV-negativ sein, eine medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe (HIV-PrEP) erhalten oder unter einer antiretroviralen Therapie (ART) eine HI-Viruslast unter der Nachweisgrenze haben. Die Probanden wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder zwei Impfungen mit 4CMenB oder Placebo.

Die Ergebnisse der Studie hat ein Team um Professor Dr. Kate L. Seib von der Griffith University in Gold Coast nun im »New England Journal of Medicine« veröffentlicht. Demnach war die Impfung komplett unwirksam darin, eine erneute Gonorrhö zu verhindern: In der Gruppe der Geimpften traten innerhalb von zwei Jahren 48,1 Infektionen pro 100 Personenjahre auf, in der Placebogruppe 47,8 pro 100 Personenjahre.

Die Effektivität der Impfung war mit einer Schutzrate von 5,5 Prozent vor einer symptomatischen Infektion und −6,4 Prozent vor einer asymptomatischen Infektion (negative Schutzrate bedeutet höheres Risiko) alles andere als zufriedenstellend. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten in der Verumgruppe bei 4,7 Prozent der Teilnehmer auf und in der Placebogruppe bei 2,8 Prozent.

Offensichtlich sei die 4CMenB-Impfung nicht dazu geeignet, Männer mit einem hohen Risiko für eine Gonorrhö vor einer Infektion zu schützen, so das Fazit der Autoren. Gebraucht würden somit andere Targets für Impfstoffe, andere Impfstrategien oder beides.

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