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Telepharmazie
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Kein Ersatz für persönlichen Kontakt in der Offizin

Digitale Anwendungen bieten viel Potenzial, können aber in keinem Fall das persönliche Beratungsgespräch in der Apotheke vor Ort ersetzen. Das hat Anke Rüdinger, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV) und Leiterin des Digital Hub der ABDA, in einem über den Onlinedienst »Observer« veröffentlichten Kommentar deutlich gemacht.
AutorKontaktAnne Orth
Datum 20.08.2024  16:20 Uhr

Gleiche Regeln

In ihrem Kommentar stellt die stellvertrete DAV-Vorsitzende heraus, dass es keine Zwei-Klassen-Pharmazie geben dürfe. Für die Telepharmazie müssten deshalb grundsätzlich die gleichen Regeln gelten wie für eine pharmazeutische Beratung im direkten Patientenkontakt. Die Information und Beratung zu Arzneimitteln müssten auch hierbei grundsätzlich Apothekerinnen und Apotheker ausüben. Selbst wenn pharmazeutisches Personal bestimmte Aufgaben übernähme, müsse die Verantwortung immer eine Apothekerin oder ein Apotheker tragen.

Aus Sicht von Rüdinger kann die Nutzung der Telepharmazie die Beratung und Betreuung der Patientinnen und Patienten deutlich intensivieren und verbessern, zum Beispiel durch regelmäßigen telepharmazeutischen Kontakt nach der Neuverordnung eines Arzneimittels. Arzneimittel, Medizinprodukte und apothekenübliche Waren dürften aber weiterhin nur im Rahmen des üblichen Apothekenbetriebs abgegeben werden.

Telepharmazie könne Apothekenmitarbeiterinnen und -mitarbeitern auch die Möglichkeit eröffnen, von zu Hause aus zu arbeiten. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Datensicherheit gewährleistet sei, die Patienten eingewilligt hätten und zuvor ein direkter Kontakt bestanden habe.

Neue digitale Dienstleistungen

Rüdinger kann sich laut ihrem Kommentar auch vorstellen, dass Apotheken künftig verschiedene neue digitale Dienstleistungen anbieten. Möglich wären aus ihrer Sicht etwa persönliche Postfächer für Patienten mit individuell zugeschnittenen Gesundheitsinformationen wie Beipackzetteln oder Erklärvideos. Sie hält zudem für denkbar, dass Apotheker in Regionen mit geringer Apothekendichte Patienten künftig digital »begleiten«.

Digitale Anwendungen könnten außerdem die Zusammenarbeit zwischen Heilberuflern verbessern, zum Beispiel bei einer Entlassmedikation aus dem Krankenhaus. »Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt«, schreibt Rüdinger, schränkt jedoch gleich ein, dass all das nur mit der Apotheke vor Ort gehe. Ein gleichwertiger Ersatz für den persönlichen Kontakt könne die Telepharmazie nie sein, stellt sie noch einmal klar.

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