Pharmazeutische Zeitung online
Covid-19-Zertifikat

Kein eigenes Impfpass-Projekt der Schweizer Heilberufler

Mit einem gewissen Bedauern, so scheint es, haben die Heilberufler die Absage des Bundes an ihr Angebot zur Kenntnis genommen. Wie Pharma Suisse weiter ausführte, wäre ihr Apotheker-Ärzte-Zertifikat »sehr schnell verfügbar«, weil es »bei der Schnittstelle zu den Patientinnen und Patienten« ansetze. Technische Details nannte der Verband nicht, aber »aus unserer täglichen Praxis haben wir jahrelange Expertise mit diesen hochsensiblen Daten«, so der Sprecher. Daher finde »kein unnötiger Transfer vulnerabler Patientendaten auf eine Plattform der Regierung statt«.

Der wird aber nun wohl doch stattfinden, sofern die zentrale Bundeslösung kommt und Apotheker und Ärzte tatsächlich außen vor bleiben. Mit dem Rückzug der Heilberufler würde in der Schweiz zum zweiten Mal in jüngster Zeit ein Digitalprojekt zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ad acta gelegt. Das erste lief allerdings mit Bundesbeteiligung: Erst im März war die von einer Stiftung im Auftrag des Schweizerischen Bundesamts für Gesundheit (BAG) betriebene Plattform »meineimpfungen.ch« zuerst stillgelegt und später komplett vom Netz genommen worden, weil offenbar gravierende Datenschutzmängel bestanden. Die rund 450.000 freiwillig abgegebenen Impfdaten, darunter 240.000 von Covid-19-Geimpften, waren manipulierbar gewesen, wie etwa der »Tages-Anzeiger« aus Zürich berichtete. Ins Rollen gebracht hatte die Geschichte das Online-Magazin »Republik«.

Datenskandal bei Impfdatenprojekt

Der Datenskandal rief das BAG und den Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) auf den Plan – letzterer attestierte der Betreiberstiftung inzwischen eine Komplettüberforderung und erklärte das Impfdatenprojekt für »vollständig gescheitert«. Auch die Stiftung selbst erklärte auf ihrer Website, dass »ein sicherer Betrieb der Plattform nicht mehr möglich ist«. Es hagelte Kritik und Häme – auch in Richtung Ärzteverband und Pharma Suisse. Zwar war es der Bund, der die Impfplattform maßgeblich unter seinen Fittichen hatte, aber laut Schweizer Verbraucherschützern sind auch Ärzte und Apotheker für das »Debakel« zur Verantwortung zu ziehen, weil sie die Plattform über Jahre als sicher beworben und auch finanziell unterstützt hätten. Dazu äußerte sich Pharma Suisse heute gegenüber der PZ nicht näher – es bestünden zwischen der externen Softwarelösung der gescheiterten Plattform und der geplanten von FMH und Pharma Suisse aber »keinerlei Gemeinsamkeiten«, betonte der Sprecher.

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