| Lukas Brockfeld |
| 02.04.2026 16:00 Uhr |
Das Gesundheitswesen hat erhebliche finanzielle Probleme. / © © Adobe Stock/upixa
Die Krankenkassen haben aufgrund des demografischen Wandels und steigender Behandlungskosten massive finanzielle Probleme. Am Montag hat eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission daher einen Katalog mit 66 Empfehlungen zur Stabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorgestellt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will auf Basis dieser Empfehlungen in den kommenden Wochen konkrete Gesetze erarbeiten.
Noch ist ungewiss, ob die versprochenen Gesetze ausreichen werden, um die GKV-Finanzen zukunftsfest aufzustellen. Das Nachrichtenportal »t-online« berichtet jetzt über ein von Ralf Hermes, Chef der IKK Innovationskasse, und Mitautor Thomas Drabinski geschriebenes Konzeptpapier, dass die Krankenversicherung grundlegend umbauen soll. Außerdem wünscht sich Hermes die Auflösung der gesetzlichen Pflegeversicherung, deren Leistungen in eine solidarische Gesundheitsversicherung überführt werden sollen.
Hermes´ Konzept basiert laut »t-online« auf drei Säulen. Die erste ist die Einführung einer »solidarischen Gesundheitsversicherung«, die besonders kostspielige Gesundheitsleistungen wie Krankenhausbehandlungen und stationäre Pflege abdecken soll. Die Grundversicherung soll durch staatliche Mittel und die Arbeitgeber finanziert werden. Die Arbeitgeber sollen einen festen Betrag, der IKK-Chef schlägt 10 Prozent des Bruttolohns der Angestellten vor, zahlen. Die Belastung der Arbeitgeber, die im aktuellen System durchschnittlich 17,7 Prozent des Bruttolohns zahlen, würde so sinken.
Die zweite Säule des Konzepts ist die »soziale Krankenversicherung«, die beispielsweise die Kosten für Arztbesuche, ambulante Pflege und Medikamente übernimmt. Hierfür würden alle Versicherten eine monatliche Pauschale von 150 Euro zahlen. Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern soll entfallen. Die Beiträge für die »soziale Krankenversicherung« lägen zwar auch deutlich unter dem heutigen Niveau, doch laut dem Konzept sollen für alle Behandlungen Eigenbeteiligungen anfallen. Ralf Hermes macht keine Angaben zur konkreten Höhe, schlägt aber eine finanzielle Unterstützung für Menschen mit geringem Einkommen vor.
Als dritte Säule wünscht sich der IKK-Chef Privatversicherungen, die beispielsweise für Zahnersatz oder einen schnelleren Arztzugang aufkommen. Außerdem soll das Krankengeld künftig nur noch von einer privaten Zusatzversicherung übernommen werden. Die Krankenkassen, die im vergangenen Jahr 21,6 Milliarden Euro für Krankengeld aufwendeten, würden so erheblich entlastet.
Für Hermes ist eine grundlegende Neuaufstellung des GKV-Systems alternativlos. »Wer jetzt nur mit Einsparlisten reagiert, wird in wenigen Jahren dieselben Debatten erneut führen. Wer dagegen die Systemlogik neu sortiert, kann Solidarität, Eigenverantwortung und Wettbewerb erstmals widerspruchsfrei zusammenbringen«, zitiert »t-online« den IKK-Chef.
Es erscheint jedoch unwahrscheinlich, dass es in naher Zukunft zu einer solchen grundlegenden Neuaufstellung kommt. Schon die deutlich weniger radikalen Vorschläge der Finanzkommission stoßen auf erheblichen Widerstand. So reagierten Vertreterinnen und Vertreter der Apothekerschaft mit »Entsetzen« auf die Möglichkeit einer gestaffelten Anhebung des Apothekenfixums. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, warnte vor dem Wegfall von Millionen Arztterminen und erklärte, dass er mit Protestmaßnahmen der Ärzteschaft rechne. Und die Pharmahersteller sehen sich zu Unrecht belastet und warnen vor Versorgungseinschränkungen.