| Lukas Brockfeld |
| 22.04.2026 14:00 Uhr |
Die Bundesregierung arbeitet aktuell an einem Primärversorgungssystem, in dem Patientinnen und Patienten erst ihren Hausarzt aufsuchen sollen, der sie bei Bedarf an einen Facharzt verweist. Auch die ePA könnte in diesem System wichtig werden, insbesondere zur Unterstützung digitaler Ersteinschätzungsverfahren. Doch Maike Henningsen erklärte, dass es ihr aktuell noch schwerfalle, sich ein solches System in der Praxis vorzustellen. »Ersteinschätzung ist natürlich sinnvoll. Aber ich sehe, dass die Frauen zu 98 Prozent richtig bei uns sind«, so die Gynäkologin.
Claudia Schmidtke erzählte, dass es in ihrer Kindheit auf dem Dorf einen Hausarzt gab, der alle Familienmitglieder kannte und genau wusste, welcher Patient wo versorgt werden musste. »Diese Strukturen haben wir heute nicht mehr. Wenn wir das mit neuen digitalen Versorgungsformen wieder hinbekommen, wäre das wunderbar«, sagte die Professorin. Aktuell würden sich zu viele Patientinnen und Patienten verloren fühlen.
Andreas Storm konnte dieser Idee viel abgewinnen. »Wir müssen anhand von wissenschaftlichen Kriterien und digitalen Instrumenten sicherstellen, dass der Patient so gut versorgt wird, dass er das gleiche gute Gefühl hat, wie beim Hausarzt in den 70er Jahren«, sagte der Kassenchef. Damit ein solches Konzept Erfolg haben kann, müssten die beteiligten Ärzte und Apotheker das Gefühl bekommen, dass sie an einer guten und sinnvollen Sache arbeiten. Aktuell hätten viele Leistungserbringer einen sehr negativen Blick auf die neuen digitalen Prozesse. »Das müssen wir mindestens genauso in den Griff bekommen, wie die technischen Voraussetzungen«, so Storm.
Für Thomas Grechenig war es wichtig zu betonen, dass ePA-gestützte digitale Ersteinschätzungsverfahren technisch bereits machbar wären. »Aber die Technik kann ohne den entsprechenden Willen des Gesetzgebers nichts tun. Die Basis ist da, und wenn man auf die Streitereien verzichtet, können die Techniker schnell handeln«, so der Professor. Grechenig ging zwar davon aus, dass es auch in 20 Jahren noch Diskussionen um nicht funktionierende Digitalanwendungen geben werde, »aber ich war noch nie so optimistisch wie heute«.