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Testosteron-Ersatztherapie

Kardiovaskuläres Risiko bedenken

Alternde Männer mit einem niedrigen Testosteron-Spiegel, die das Androgen substituieren, haben ein leicht erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie ischämischen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Das gilt vor allem während der ersten zwei Jahre der Therapie. Zu diesem Ergebnis kommt eine im »American Journal of Medicine« veröffentlichte Kohortenstudie. 
Sven Siebenand
22.07.2019  08:00 Uhr

Das Forscherteam um Erstautorin Simone Y. Loo vom Lady Davis Institute for Medical Research in Montreal, Kanada, wertete Daten von mehr als 15.000 Männer im Alter ab 45 Jahren aus, die eine Testosteron-Substitutionstherapie erhalten hatten und die keine Anzeichen für eine testikuläre oder hypogonadotrope Erkrankung aufwiesen. Das heißt, die Wissenschaftler fokussierten auf den Testosteron-Einsatz bei Männern aufgrund unspezifischer Alterungserscheinungen wie Müdigkeit oder nachlassender Sexualfunktion. Das Ergebnis: Im Vergleich zu Männern ohne Testosteron-Ersatztherapie hatten Männer mit der Androgen-Gabe ein um 21 Prozent erhöhtes Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis, was über den gesamten Beobachtungszeitraum zu 128 zusätzlichen Ereignissen führte.

Das erhöhte Risiko war vorübergehender Natur und bestand vor allem in den ersten zwei Jahren der Therapie. Seniorautorin Professor Dr. Christel Renoux, ebenfalls vom Lady Davis Institute for Medical Research in Montreal, weist in einer Pressemeldung des Instituts darauf hin, dass es jedoch keine Evidenz für den Nutzen einer langfristigen Testosteron-Substitutionstherapie gibt, die nur aufgrund eines niedrigen Testosteron-Spiegels bei alternden Männern zum Einsatz kommt. Sie rät in diesen Fällen, den möglichen Nutzen und die potenziellen Risiken mit den Männern zu diskutieren, bevor das Androgen verordnet wird.

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