Deutsche Rettungskräfte verlassen am Sonntag den Flugplatz Eindhoven, wo ein Flugzeug mit etwa 29 Passagieren vom Kreuzfahrtschiff »Hondius« gelandet ist. / © Imago/ANP
Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff »Hondius« sind vier deutsche Passagiere nach Deutschland gebracht worden. In Frankfurt am Main sollen sie untersucht und dann weiter verteilt werden. Ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt bestätigte am Montagmorgen die Ankunft des sogenannten Sonder-Isoliertransports. Dort sollen die Passagiere zunächst weiter untersucht und beobachtet und anschließend zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden. Über die Maßnahmen entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter. Neben Niederländern und Deutschen befanden sich unter anderem auch Belgier und Griechen an Bord des Evakuierungsflugs von den Kanaren aus. Alle waren ohne Symptome, wie das spanische Gesundheitsministerium vor dem Abflug mitteilte.
Anders sieht es bei einer ausgeflogenen Französin aus. Sie zeigte Symptome und wurde nun positiv auf das Hantavirus getestet, hieß es am Montagmorgen. Der Zustand der Frau habe sich in der Nacht verschlechtert, sagte Frankreichs Gesundheitsministerin Stéphanie Rist im Sender France Inter. Die Tests der anderen vier ausgeflogenen Passagiere aus Frankreich seien bisher negativ ausgefallen. Weitere Tests würden folgen. Bis auf Weiteres seien alle fünf in speziell eingerichteten Zimmern in einem Krankenhaus isoliert.
Positive Fälle gibt es auch unter den amerikanischen Passagieren: Nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums sind von allen 17 Landsleuten, deren Rückholung die Regierung organisiert habe, zwei in der sogenannten Biocontainment-Einheit des Flugzeuges gereist. Bei einem der Passagiere habe ein PCR-Test »mild positiv« auf das Hantavirus angeschlagen, der andere zeige milde Symptome einer Erkrankung, teilte das US-Gesundheitsministerium auf X ohne genauere Erläuterungen mit.
Auf dem Schiff waren Menschen aus 23 Nationen, 140 bis 150 Reisegäste, dazu Besatzungsmitglieder und zuletzt begleitende Experten. Nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen starben: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine deutsche Frau. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte.
Beim Erreger handelt es sich um das südamerikanische Andesvirus. »Es ist das einzige Hantavirus, bei dem begrenzte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen überzeugend beschrieben wurden«, sagte Professor Dr. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg. Dabei scheint enger und längerer Kontakt zu Erkrankten entscheidend zu sein, »insbesondere im häuslichen Umfeld, bei Paaren, Familienangehörigen oder bei pflegerischer beziehungsweise medizinischer Versorgung«.
»Das Hantavirus ist primär eine Umweltinfektion, und selbst in seltenen Fällen der Übertragung von Mensch zu Mensch verhält es sich nicht wie ein hoch ansteckendes Atemwegsvirus«, betonte Professor Dr. Scott Weaver von der University of Texas Medical Branch (USA).
Infektionen mit dem Andes-Virus können etwa zu Übelkeit, Erbrechen, Husten, einer Lungenerkrankung und zum Tod führen. Nach Angaben des Robrt-Koch-INstituts (RKI) gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gegen Hantaviren. Es können aber Symptome behandelt werden.
RKI-Präsident Professor Dr. Lars Schaade sieht keine Gefahr für die Bevölkerung. Das Virus könne Menschen sehr krank machen, so Schaade am Sonntag im ZDF-»Heute Journal«. »Aber die gute Nachricht ist eigentlich, das ist kein Virus, das sich verbreitet. Und insofern kann ich, glaube ich, sagen: Ich sehe eigentlich keine Gefährdung für die Bevölkerung in Deutschland und auch keine Pandemiegefahr.«
Mit Blick auf den Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: »Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar.« Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschätzen. Das Coronavirus sei damals ein neues Virus mit spezifischen Eigenschaften gewesen. »Hier haben wir ein Virus, das wir seit 31 Jahren kennen.« Schaade sprach von sicherlich einigen Tausend Fällen seit der Entdeckung 1995. »Und immer ist es gelungen, die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen«, fügte er hinzu.
Diese Einschätzung zur Gefährdung teilt auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC: Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andes-Virus durch Passagiere käme, die vom Schiff evakuiert wurden, sei das Virus nicht leicht weiter übertragbar, »sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme«.
Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andes-Virus infolge des Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff sei sehr gering. »Die Kombination aus Isolation, Kontaktverfolgung und medizinischer Überwachung dürfte das Geschehen vergleichsweise gut kontrollierbar machen«, sagte auch Mikrobiologe Professor Dr. Roman Wölfel von der Universität der Bundeswehr in München.