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Death-Positive-Bewegung

Kaffee trinken mit dem Tod

Probeliegen im Sarg

Auch Kinderbücher wie »Ente, Tod und Tulpe« von Wolf Erlbruch aus dem Jahr 2007 oder die Zeitschrift »Drunter & Drüber«, ein modernes Hochglanzmagazin der Fundus Stiftung für 25- bis 55-Jährige, hätten in den vergangenen Jahren versucht, das Thema Tod zu enttabuisieren, so Pernlochner-Kügler. Die Kalifornierin Caitlin Doughty ging sogar noch einen Schritt weiter. Sie wirbt seit 2011 mit ihrer Youtube-Videoserie »Ask a Mortician« für einen alternativen und natürlichen Umgang mit Verstorbenen, ohne dabei feste Zeremonien über Menschen zu stülpen, die gar nicht zu ihnen passen. Genau wie Pernlochner-Kügler appelliert sie an alle, Tabus zu hinterfragen – vor allem wenn diese mit Ehrfurcht verknüpft sind und dadurch Grundängste verstärken. Heute ist Doughty selbst Geschäftsführerin eines Bestattungsinstituts in Hollywood und hat zudem die Organisation »The Order of the Good Death« ins Leben gerufen, mit der sie das Verhältnis der westlichen Gesellschaften zum Tod verändern will.

Um dem Thema seinen Schrecken zu nehmen, bietet Pernlochner-Kügler bereits seit vielen Jahren Führungen durch ihr Tiroler Bestattungsunternehmen an. Inzwischen haben demnach Schulklassen, Studierende, Auszubildende in Gesundheitsberufen, Rettungshelfer, Mitarbeitende der Feuerwehr oder Pensionistenvereine das Angebot wahrgenommen. Das Probeliegen im Sarg etwa beginne zunächst mit Respekt und Grusel, dann folgen Spannung und Humor und zuletzt setze immer Erleichterung ein, berichtet sie. Dasselbe beobachtet die Bestatterin, wenn sie ihren Kursteilnehmern Urnen, Hygienehüllen, Leichensäcke, Sargausstattung, sogenannte Fingerprints, die zur Erinnerung an Verstorbene gemacht werden oder kosmetische Mundformer in die Hand drückt. Das Anfassen verändere und normalisiere die Beziehung zum Gegenstand und ließe schließlich die Furcht schwinden.

Den Grund dafür, dass eine positive Vorstellung vom Tod eher die Ausnahme ist, sieht David Roth, Trauerbegleiter und Mitinhaber eines Bestattungshauses in Bergisch Gladbach, unter anderem darin begründet, dass »wir uns nicht mit den verschiedenen Bildern, auch der verschiedenen Kulturen befassen. Wir sehen Tod als Versagen.« Anderswo glaubte man hingegen, dem Verstorbenen gehe es gut, wo auch immer er hingehe.

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