Pharmazeutische Zeitung online
Blutzucker

Kaffee besser erst nach dem Frühstück

Lausig geschlafen? Erst mal einen Kaffee! So machen das wohl die meisten Menschen. Eine Studie zeigt aber, dass dadurch der Blutzuckerspiegel außer Rand und Band geraten kann. Die Lösung: Den Kaffee erst nach dem Frühstück trinken.
Annette Rößler
17.12.2020  07:00 Uhr

Schlechter Schlaf und starker Kaffee sind zwei Dinge, die für viele untrennbar zusammengehören. Beides sind aber Faktoren, die die Glucosetoleranz stören, die Insulinsensitivität senken und so einer Entwicklung von Typ-2-Diabetes Vorschub leisten können. Welchen Effekt dabei jeder Faktor für sich und beide zusammen haben, wurde kürzlich in einer Studie an der Universität Bath in Großbritannien untersucht.

Die Forscher um Harry Smith rekrutierten hierfür 29 junge, gesunde Freiwillige, die in randomisierter Reihenfolge drei Über-Nacht-Experimente durchliefen: eine Nacht mit normalem Schlaf, nach der sie eine Zuckerlösung tranken, eine Nacht, in der sie stündlich für jeweils fünf Minuten geweckt wurden, nach der sie wiederum die Zuckerlösung tranken, und eine Nacht, in der sie auf dieselbe Weise gestört wurden, nach der sie aber zunächst einen starken, schwarzen Kaffee und dann erst 30 Minuten später die Zuckerlösung tranken. Die Zuckerlösung war standardisiert und enthielt etwa so viele Kalorien wie ein normales Frühstück. Indem sie die Blutzuckerspiegel der Probanden maßen, konnten die Forscher deren metabolische Reaktion auf die verschiedenen Konsummuster ermitteln.

Im »British Journal of Nutrition« berichtet die Gruppe über das Ergebnis. Demnach wirkte sich die gestörte Nachtruhe kaum auf den Blutzucker-Spitzenwert und die Insulinausschüttung aus, der Kaffee vor dem »Frühstück« aber deutlich: Der Spitzenwert für die Blutglucose lag nach der Kontroll-Nacht bei durchschnittlich 8,20 mmol/l, nach der gestörten Nacht bei 8,23 mmol/l und nach vorherigem Kaffeekonsum bei 8,96 mmol/l, das Insulin bei 265 pmol/l, 235 pmol/l beziehungsweise 310 pmol/l. Auch die AUC der Plasmaglucose war im dritten Fall erhöht.

Smith betont in einer Pressemitteilung der Universität den positiven Aspekt des Ergebnisses: Eine einzige Nacht mit gestörtem Schlaf ziehe offenbar noch keine schlechtere Blutzuckerkontrolle beziehungsweise Insulinantwort nach sich. Anders dagegen ein starker Kaffee vor dem Frühstück. Es sei daher vermutlich ratsam, erst zu frühstücken und dann Kaffee zu trinken.

Inwiefern die große Mehrheit der eingefleischten Kaffeetrinker diesem Rat eines Briten – vermutlich Teetrinker! – folgen wird, ist jedoch fraglich. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters schränkte Smith denn auch ein: »Die Ergebnisse dieser Studie gelten möglicherweise nicht für jemanden, der das regelmäßig bereits so macht. Denn dann liegt wahrscheinlich eine Veränderung des circadianen Rhythmus und eine Anpassung an diese Routine vor.« Geht doch!

Mehr von Avoxa