| Melanie Höhn |
| 24.03.2026 15:02 Uhr |
»Joybuy«-Deutschland-Managerin Julia Hager habe gegenüber der BILD bestätigt, dass das Unternehmen derzeit zusätzliche Produktkategorien, »darunter auch frei verkäufliche Medikamente«, prüfe. »Wir evaluieren ständig neue Kategorien, um unser Sortiment weiter auszubauen. Ob wir auch frei verkäufliche Medikamente anbieten, prüfen wir aktuell«, erklärte sie der Zeitung.
Das könnte den Online-Markt von Arzneimitteln, der bei Vor-Ort-Apotheken zu einer zunehmenden Konkurrenzsituation führt, noch einmal kräftig durchmischen. Digitale Plattformen wie Doc Morris und Shop Apotheke haben im deutschen Arzneimittelmarkt inzwischen vor allem aufgrund des E-Rezepts deutlich an Bedeutung gewonnen. Auch im Bereich nicht-verschreibungspflichtiger Arzneimittel sprießen immer mehr Online-Angebote aus dem Boden, so bieten etwa der Online-Gigant Amazon sowie die Drogeriekette dm bereits OTC-Arzneimittel an; Rossmann prüft ein Arzneimittelangebot derzeit noch.
Erst kürzlich belegte die sogenannte »Amazon Apotheken Studie 2025« den wachsenden Einfluss des US-Giganten. Demnach ist der Apothekenumsatz auf Amazon Deutschland im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf knapp 500 Millionen Euro gewachsen. Der OTC-Arzneimittelversand von dm hat inzwischen die Wettbewerbszentrale auf den Plan gerufen, die gegen das Modell Klage eingereicht hat.
Der anvisierte Einstieg von »Joybuy« in den Online-Arzneimittelmarkt bedeutet eine neue Unsicherheit für die Vor-Ort-Apotheken. ABDA-Präsident Thomas Preis verfolgt die Entwicklung mit wachsender Sorge und kommentierte gegenüber der BILD-Zeitung: »Arzneimittel sind keine gewöhnlichen Handelswaren. Entscheidend für die Versorgungssicherheit ist die persönliche Beratung in der Apotheke vor Ort.« Ein weiterer Ausbau des Versandhandels könne Wettbewerbsdruck auf die Vor-Ort-Apotheken noch verstärken. Reinhard Groß, Vorstandsmitglied im Sächsischen Apothekerverband, äußerte ebenfalls seine Bedenken: »Im Bereich der Selbstmedikation hat der Versandhandel bereits mehr als 20 Prozent Marktanteil erreicht«, so Groß. Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln liege er mit 1,5 Prozent deutlich niedriger.