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KiGGS-Studie

Jedes dritte Kind nimmt Arzneimittel oder Nahrungsergänzung ein

36 Prozent der 3- bis 17-Jährigen haben in den letzten sieben Tagen mindestens ein Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Das ist eines der Ergebnisse der umfangreichen KiGGS-Studie, die seit mehr als 15 Jahren die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland untersucht.
Daniela Hüttemann
08.10.2019
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Seit 2003 lässt das Robert-Koch-Institut (RKI) regelmäßig Kinder und deren Eltern zu verschiedenen Gesundheitsaspekten befragen und in regelmäßigen Wellen auch medizinisch untersuchen. Jetzt haben Forscher die neuesten Ergebnisse der zweiten KiGGS-Welle aus dem Zeitraum 2014 bis 2017 im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht. Dabei verglichen die Autoren auch die Entwicklung im Vergleich zur Basiserhebung zwischen 2003 und 2006.

Eine Fragestellung beschäftigte sich mit dem Anwendungsverhalten für Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel einschließlich der Selbstmedikation. Die Erkenntnisse seien eine wertvolle Ergänzung zu Verordnungsdaten, heißt es in einer Pressemitteilung des RKI. Dafür wurden 3.462 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 0 und 17 Jahren beziehungsweise deren Eltern befragt, ob sie in den letzten sieben Tagen ein Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen haben.

Mehr als ein Drittel der 3- bis 17-Jährigen (36,4 Prozent) hatte demnach ein Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel in der vorangegangenen Woche angewendet. Etwas mehr als die Hälfte dieser Kinder nahm ausschließlich vom Arzt verordnete Präparate ein. Die Prävalenz war mit 46,5 Prozent in der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen am höchsten. In dieser Altersgruppe war die Prävalenz bei Mädchen höher als bei Jungen (56,4 versus 37,3 Prozent). Bei den Jüngeren fand sich kein Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Am häufigsten bekamen die Kinder ein Präparat zur Behandlung der Atemwege, gefolgt von Mitteln zur Behandlung des Muskel-Skelett-Systems. Dabei nahmen die Kinder insgesamt weniger Arzneimittel ein als die Probanden elf Jahre zuvor. Teilweise sei dies auf methodische Unterschiede bei der Datenerhebung zurückzuführen. Der Rückgang war jedoch nur bei den verordneten Medikamenten zu verzeichnen, vor allem bei Arzneimitteln zur Behandlung des Nervensystems, systemischen Antiinfektiva und Hormonpräparaten. Die Selbstmedikation hingegen nahm signifikant zu.

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