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Schweres Asthma

Jeder dritte Patient erhält zu viel Cortison

Häufig wäre die Einnahme oraler Corticosteroide vermeidbar, wenn die Adhärenz und Inhalationstechnik von Patienten mit schwerem Asthma besser gefördert würde. Auch könnten Biologika helfen, Cortison einzusparen, so einige Ergebnisse einer niederländischen Studie, an der auch Apotheker beteiligt waren.
Daniela Hüttemann
02.10.2019  17:00 Uhr

Für ihre Studie sahen sich Dr. Katrien Eger und Kollegen vom Amsterdam University Medical Centre die Daten von einer halben Million Niederländer aus Apothekendatenbanken an. Sie filterten Patienten heraus, die hohe Dosen inhalativer Corticoide plus einen langwirksamen Beta-Agonisten (LABA) und orale Corticosteroide bekommen hatten. 5002 solcher Patienten schickten sie Fragebögen und erhielten 2312 Rückmeldungen. Als adhärent galten Patienten, die 80 Prozent ihrer Verordnungen eingelöst hatten. Zusätzlich ließen sich Apotheker von einem Teil der Studienteilnehmer ihre Inhalationstechnik zeigen.

»Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele Patienten mit schwerem Asthma gefährlich hohe Dosen oraler Steroide einnehmen«, resümierte Eger vergangene Woche beim European Respiratory Society International Congress in Madrid. 29 Prozent der Asthma-Patienten mit hohen Dosen inhalativer Sterodie nähmen auch über ein Jahr oder länger hohe Dosen oraler Steroide ein. Von diesen wiederum zeigten 78 Prozent eine schlechte Adhärenz oder inhalierten nicht korrekt. Vor jeder Verordnung für orale Corticoide sollten Ärzte daher prüfen, ob der Patient gegenüber seiner inhalativen Therapie adhärent ist und diese auch korrekt anwendet. Für die restlichen 22 Prozent der Patienten solle geprüft werden, ob ein Biologikum infrage kommt. Eger schätzt, dass dies in den Niederlanden rund 6000 Patienten wären, 1,5 Prozent aller Asthma-Patienten. Noch würde jedoch nicht einmal jeder zweite Patient, der für eine Therapie mit Biologika infrage kommt, diese auch erhalten.

Die Pulmologin sieht hier ein großes Potenzial für die Einsparung oraler Glucocorticoide, die bei dauerhafter Einnahme höherer Dosen deutlich das Risiko für Diabetes, Osteoporose und Nebennierenrinden-Insuffizienz erhöhen. Könnten sich diese Komplikationen vermeiden lassen, rechtfertige dies auch die höheren Therapiekosten für monoklonale Antikörper wie Omalizumab, Mepolizumab, Reslizumab, Benralizumab und Dupilumab. »Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Patienten mehr Sport treiben können und weniger Exazerbationen erleiden und damit auch weniger Fehlzeiten bei der Arbeit haben«, argumentiert Eger.

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