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Bewegungstherapie bei Krebs

Je individualisierter, desto besser

Körperliches Training kann die Therapie bei einer bestehenden Krebserkrankung unterstützen. Dabei ist der Effekt höher, je besser das Training auf den einzelnen Patienten angepasst ist. Das zeigt eine aktuelle Metaanalyse, die im »Journal of the National Cancer Institute« veröffentlicht wurde.
Christina Hohmann-Jeddi
01.11.2018  16:30 Uhr

Wie zahlreiche Studien aus den vergangenen Jahren zeigen, ist moderate bis anstrengende Bewegung dazu geeignet, etwa die Nebenwirkungen einer Krebstherapie abzumildern und die Lebensqualität zu verbessern. Allerdings schwankt der Effekt der Bewegungstherapie von Studie zu Studie zum Teil erheblich, da sich die untersuchten Zielgruppen ebenso wie die Art, Dauer und Intensität der Bewegungsprogramme deutlich unterscheiden. Unter der Leitung von Dr. Laurien Buffart von der Freien Universität Amsterdam, hat das internationale Forschungskonsortium POLARIS (Predicting OptimaL cAncer RehabIlitation and Supportive care) daher den therapeutischen Nutzen von Sport bei Krebs genauer unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler führten die Daten von Patienten aus insgesamt 34 Studien zusammen.

Das Ergebnis: »Sport hilft, aber nicht bei allen gleichermaßen«, erklärt Karen Steindorf, die mit ihrem Team am DKFZ mit zwei Studien zur Sporttherapie bei Brustkrebs am Konsortium beteiligt war, in einer Pressemitteilung. In Bezug auf Fatigue und die körperliche Funktionsfähigkeit im Alltag, etwa Koffertragen oder Treppensteigen, tat Sport besonders den Patienten gut, die in diesen Bereichen starke Probleme hatten. Hinsichtlich Muskelkraft und Lebensqualität profitierten alle Patienten von einem Training während der Krebstherapie, unabhängig von ihrem Ausgangslevel.

Nach Abschluss der Krebstherapie schien ein moderates Krafttraining jedoch vor allem weniger sportliche Patienten zu kräftigen und zu einer besseren Lebensqualität zu verhelfen. Vermutlich benötigen Patienten, die bereits über eine mäßige bis gute Fitness verfügen, ein intensiveres Training. Darüber hinaus zeigte sich, dass Patienten mit sehr niedriger Ausdauerleistungsfähigkeit weniger von einem Ausdauertraining während der Therapie profitieren als andere. Möglicherweise waren diese Patienten während der anstrengenden Krebstherapie mit dem Training überfordert.

»Grundsätzlich glauben wir fest daran, dass alle Krebspatienten von Ausdauer- und Krafttraining profitieren können«, sagt Steindorf. »Daher würden wir allen Betroffenen zu mehr Bewegung raten, um ihr persönliches Wohlbefinden und ihre Lebensqualität zu verbessern.« Die Erkenntnisse aus der Studie legen aber nahe, dass es sinnvoll sein kann, die Sporttherapie noch stärker an den individuellen Voraussetzungen der einzelnen Patienten auszurichten. »Unser Ziel ist eine individualisierte Sporttherapie«, fasst die Wissenschaftlerin zusammen.

Foto: Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg

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