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Auffrischimpfung

Israel rät Über-60-Jährigen zu einer vierten Impfdosis

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie sieht Israel sich ein weiteres Mal als Pionier. Die Behörden empfehlen den Über-60-Jährigen sowie Mitarbeitern des Gesundheitssystems eine weitere Auffrischimpfung.
Theo Dingermann
27.12.2021  14:00 Uhr

Israel hat beschlossen, Personen über 60 Jahre, immungeschwächten Personen und Beschäftigten im Gesundheitswesen eine vierte Covid-19-Impfdosis zu empfehlen, um die sich schnell ausbreitende Omikron-Variante einzudämmen.

Zwar fußt diese Entscheidung auf nur wenigen wissenschaftlichen Daten und es gibt keine entsprechende Zulassung in der EU oder den USA. Dennoch sind die israelischen Berater zur Pandemiebekämpfung zu dem Schluss gekommen, dass der potenzielle Nutzen größer sei als mögliche Risiken. Zudem weisen die Berater auf Anzeichen einer nachlassenden Immunität auch einige Monate nach der dritten Impfung hin und argumentieren, dass eine Verzögerung einer Auffrisch-Option zu spät kommen könnte, um die am stärksten gefährdeten Personen zu schützen. Die vierte Impfung kann allerdings frühestens vier Monate nach der dritten Impfung verabreicht werden.

»Der Preis wird höher sein, wenn wir nicht impfen«, sagte Dr. Boaz Lev, der Leiter des Beratungsgremiums bei einer Pressekonferenz am späten Mittwoch. Bennett habe das Gesundheitsministerium und die Krankenkassen angewiesen, eine »groß angelegte Impfaktion« vorzubereiten, ließ sein Büro verlauten.

Ein israelisches Krankenhaus hat eigenen Angaben zufolge derweil am Montag eine Studie für die vierte Impfung gestartet. Rund 150 medizinische Mitarbeiter der Klinik, die ihre dritte Impfung bis zum 20. August erhalten hätten, würden eine weitere Dosis bekommen, teilte das Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv am Sonntagabend mit, meldet die Deutsche Presseagentur. Alle hätten in einem serologischen Test eine niedrige Anzahl von Antikörpern gehabt. Nach Angaben des Krankenhauses ist dies die erste Studie ihrer Art weltweit.

Auch Deutschland bestellt für vierte Impfdosis

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geht davon aus, dass eine vierte Corona-Impfung nötig sein wird. Der SPD-Politiker sagte am Mittwoch in Berlin auf eine entsprechende Nachfrage, man wisse nicht, wie lange der Booster-Schutz bei der neuen Omikron-Variante anhalte, berichtete dpa. Möglicherweise sei der Impfschutz «nicht allzu dauerhaft». «Darauf sind wir vorbereitet und haben spezifischen Omikron-Impfstoff gekauft beim Unternehmen Biontech», zitiert dpa.

Lauterbach sprach von insgesamt 80 Millionen Dosen, mit denen ab April oder Mai gerechnet werde. Zusätzlich solle auch wieder Moderna-Impfstoff beschafft werden, damit eine Auswahl angeboten werden könne. Hausärzteverband-Chefs Ulrich Weigeldt hatte kürzlich gesagt, man rechne damit, dass im Sommer, spätestens im Herbst eine vierte Impfung nötig sein werde.

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