Teplizumab bremst den Autoimmunprozess, der für den Untergang insulinproduzierender Zellen in der Bauchspeicheldrüse verantwortlich ist. So dauert es dank Teplizumab länger, bis ein manifester Typ-1-Diabetes auftritt und eine Insulintherapie unabdingbar wird. / © GettyImages/zeljkosantrac
Zugelassen ist Teplizumab zur Behandlung von Patienten ab acht Jahren mit Typ-1-Diabetes. Der Antikörper bindet an das CD3-Protein, das Teil des T-Zell-Rezeptors auf T-Lymphozyten ist. Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt; es wird jedoch angenommen, dass es unter anderem zur Deaktivierung von autoreaktiven T-Lymphozyten kommt, die die Betazellen im Pankreas angreifen. Ferner soll Teplizumab den Anteil der Zellen erhöhen, die helfen, die Immunreaktion zu dämpfen. So kann der Ausbruch eines manifesten Typ-1-Diabetes zumindest hinausgezögert werden. Der Antikörper wird an 14 aufeinanderfolgenden Tagen einmal täglich intravenös infundiert.
Das IQWiG unterscheidet in seiner Nutzenbewertung zwei Patientenkollektive: Erwachsene und Kinder mit oder ohne familiäre Vorbelastung. Für Erwachsene und Kinder ohne familiäre Vorbelastung ab einem Alter von acht Jahren mit Diabetes mellitus Typ 1 im Stadium 2 lägen aus der Studie TN-10 keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens von Teplizumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor, so das IQWiG. Ein Zusatznutzen für diese Patientengruppe sei nicht belegt.
In der Gruppe mit familiärer Vorbelastung stellt selbst das IQWiG einen statistisch signifikanten Vorteil von Teplizumab im Vergleich zu beobachtendem Abwarten fest, wobei sich eine Verzögerung des Auftretens von im Median zwei Jahren zeige. Dennoch kommt das Institut letztlich auch bei diesem Kollektiv zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen nicht belegt sei. Denn es sei unklar, inwieweit durch die Verzögerung der Manifestation des Typ-1-Diabetes der Langzeitverlauf der Erkrankung, insbesondere das Auftreten von mikro- und makrovaskulären Folgekomplikationen, positiv beeinflusst werde.
Ferner zeige sich in der Gesamtschau für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 im Stadium 2 und mit familiärer Vorbelastung ein negativer Effekt in der Kategorie schwerwiegende/schwere Nebenwirkungen. Das IQWiG spricht von einem Anhaltspunkt für einen höheren Schaden mit erheblichem Ausmaß.
Teizeild-Hersteller Sanofi ist mit dem IQWiG-Votum wenig überraschend nicht einverstanden. Das Pharmaunternehmen kritisiert, dass das IQWiG bei seiner Bewertung eine Aufteilung der Patientenpopulation in Menschen mit und ohne familiäre Vorbelastung vorgenommen hat. Dies sei nicht gerechtfertigt, da die familiäre Vorbelastung lediglich das Risiko für das Auftreten der Autoimmunität erhöhe, nicht aber die Pathophysiologie und den Krankheitsverlauf an sich verändere.
In der Gesamtschau sei ein Zusatznutzen für Teplizumab als Sprunginnovation in der Indikation Typ-1-Diabetes Stadium 2 angebracht, so das Unternehmen. Die Firma sieht die Verzögerung des Ausbruchs der Erkrankung von zwei Jahren im Median als patientenrelevant an, was einen Zusatznutzen rechtfertige. Ferner weist sie darauf hin, dass sich bei fast 40 Prozent der Studienteilnehmenden auch nach rund 6,7 Jahren noch keine Manifestation der Erkrankung gezeigt habe. Die Entscheidung über den Zusatznutzen von Teplizumab erfolgt durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Sanofi erwartet diese im August.