| Johanna Hauser |
| 22.06.2026 13:00 Uhr |
Ein Screening auf Typ-1-Diabetes könnte auch bei Erwachsenen sinnvoll sein. / © Getty Images/agrobacter
Neue Erkenntnisse zur Früherkennung und immunmodulatorischen Prävention des Typ-1-Diabetes (T1D) stellte das Unternehmen Sanofi auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in einem Symposium vor, über das das Unternehmen in einer Pressemitteilung informiert. Demnach steht die Versorgung von Menschen mit T1D vor einem Umbruch: von der Behandlung der Erkrankung nach Manifestation hin zu einer Früherkennung und dem Verzögern des Krankheitsausbruchs. Denn erstmals ist mit Teplizumab (Teizeild®) eine immunmodulatorische Therapie zugelassen, die das Fortschreiten der Erkrankung verzögern kann.
Die Früherkennung von T1D basiert auf dem Nachweis von Inselautoantikörpern im Blut und erkennt die Erkrankung schon Monate oder Jahre vor dem Ausbruch. Durch eine rechtzeitige Diagnose lassen sich schwere Stoffwechselentgleisungen verhindern, zudem ermöglicht sie einen rechtzeitigen Insulinbeginn bei noch ausreichender Betazellreserve sowie präventive Ansätze, etwa durch immunmodulatorische Therapien. Für Kinder ist im Rahmen der Fr1da-Studie eine kostenlose Antiköpertestung zur T1D-Früherkennung möglich. Teilnehmen können alle Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren, die in Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen lebern.
Für Erwachsene gibt es bislang keine etablierten Strukturen der Früherkennung, dabei erhält ein Großteil der Menschen mit T1D die Diagnose im Erwachsenenalter: die Hälfte nach dem 18. Lebensjahr, ein Drittel sogar nach dem 30. Lebensjahr. »Die Früherkennung bei Erwachsenen ist derzeit noch eine Blackbox«, sagte der Diabetologe Professor Dr. Michael Hummel vom Helmholtz Zentrum München laut der Pressemitteilung.
Dabei zeigten Studien, dass Erwachsene in Stadium 2 ein ähnlich hohes Risiko wie Kinder haben, ein Stadium 3 (Auftreten erster Symptome) zu entwickeln. Eine Früherkennung könne auch in dieser Altersgruppe helfen, Ketoazidosen zu verhindern, und zudemFehlklassifikationen als Typ-2-Diabetes vermeiden. »Die Früherkennung des Typ-1-Diabetes sollte auch bei Erwachsenen in den klinischen Alltag integriert werden«, sagte Hummel.
Dabei sollte risikobasiert vorgegangen werden. Risikogruppen sind insbesondere Personen mit familiärer Vorbelastung, anderen Autoimmunerkrankungen oder einem zurückliegenden insulinpflichtigen Gestationsdiabetes sowie junge Erwachsene mit erhöhten Blutzuckerwerten. Hummel zufolge sollte der HbA1c-Wert bei allen 18- bis 30-Jährigen sowie bei Risikopatienten zwischen 30 und 45 Jahren bestimmt werden. Bei Auffälligkeiten folgen Autoantikörpertests zur Bestätigung und gegebenenfalls eine weitere Abklärung hinsichtlich einer immunmodulierenden Therapie mit Teplizumab.
Die einmalige 14 tägige Infusionsbehandlung mit dem monoklonalen Anti-CD3-Antikörper konnte in Studien die Krankheitsmanifestation um im Mittel zwei bis drei Jahre verzögern. Etwa 40 Prozent der Patienten blieben sogar über sieben Jahre symptomfrei. Das Risikoprofil sei akzeptabel, die meisten Nebenwirkungen verlaufen mild bis moderat, heißt es in der Mitteilung.