| Sven Siebenand |
| 18.05.2026 16:20 Uhr |
Teplizumab bremst den Autoimmunprozess, der letztlich für den Untergang insulinproduzierender Zellen in der Bauchspeicheldrüse verantwortlich ist. So dauert es dank Teplizumab länger, bis ein manifester Typ-1-Diabetes auftritt und eine Insulintherapie unabdingbar wird. / © GettyImages/zeljkosantrac
Zugelassen ist Teplizumab zur Behandlung von Patienten ab acht Jahren mit Typ-1-Diabetes. Der Antikörper bindet an das CD3-Protein, das Teil des T-Zell-Rezeptors auf T-Lymphozyten ist. Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass es unter anderem zur Deaktivierung von autoreaktiven T-Lymphozyten, die die Betazellen im Pankreas angreifen, kommt. Ferner soll Teplizumab den Anteil der Zellen erhöhen, die helfen, die Immunreaktion zu dämpfen. So kann der Ausbruch eines manifesten Typ-1-Diabetes zumindest ausgebremst werden. Der Antikörper wird an 14 aufeinanderfolgenden Tagen einmal täglich intravenös infundiert.
Das IQWiG unterscheidet in seiner Nutzenbewertung zwei Patientenkollektive: Erwachsene und Kinder mit oder ohne familiäre Vorbelastung. Für Erwachsene und Kinder ohne familiäre Vorbelastung ab einem Alter von acht Jahren mit Diabetes mellitus Typ 1 im Stadium 2 liegen aus der Studie TN-10 keine Daten für die Bewertung des Zusatznutens von Teplizumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor, so das IQWiG. Ein Zusatznutzen sei für diese Patientengruppe nicht belegt.
In der Gruppe mit familiärer Vorbelastung stellt selbst das IQWiG einen statistisch signifikanten Vorteil von Teplizumab im Vergleich mit beobachtendem Abwarten fest, wobei sich eine Verzögerung des Auftretens von im Median zwei Jahren zeige. Dennoch kommt das Institut letztlich auch bei diesem Kollektiv zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen nicht belegt sei. Denn es sei unklar, inwieweit durch die Verzögerung der Manifestation des Typ-1-Diabetes der Langzeitverlauf der Erkrankung, insbesondere das Auftreten von mikro- und makrovaskulären Folgekomplikationen, positiv beeinflusst werde.
Ferner zeige sich in der Gesamtschau für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 im Stadium 2 und mit familiärer Vorbelastung ein negativer Effekt in der Kategorie schwerwiegende/schwere Nebenwirkungen. Das IQWiG spricht von einem Anhaltspunkt für einen höheren Schaden mit erheblichem Ausmaß.