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Neue Arzneistoffe 2020

»Insgesamt ein guter Jahrgang«

Im Jahr 2020 kamen 32 neue Arzneistoffe auf den deutschen Markt. Da stimmte nicht nur die Quantität, sondern mit 14 Sprung- und elf Schrittinnovationen auch die Qualität. »Insgesamt ein guter Jahrgang«, urteilte Apotheker und PZ-Chefredakteur Sven Siebenand beim Pharmacon@home und fokussierte auf Sprunginnovationen, die den Kollegen in der öffentlichen Apotheke begegnen können.
Brigitte M. Gensthaler
04.06.2021  13:30 Uhr

Als erstes stellte Siebenand die Bempedoinsäure (Nilemdo® von Daiichi-Sankyo) vor, die vor wenigen Tagen mit dem PZ-Innovationspreis ausgezeichnet wurde. Der Lipidsenker ist zur Behandlung erwachsener Patienten mit primärer Hypercholesterolämie oder gemischter Dyslipidämie zugelassen. Er kann mit Statinen oder als Kombinationspräparat Nustendi® mit Ezetimib zusammen gegeben werden und wird einmal täglich (180 mg) eingenommen. Es ist keine Dosisanpassung bei moderater Nieren- und Leberinsuffizienz nötig. 

Siebenand erklärte den neuartigen Wirkmechanismus: Bempedoinsäure wird leberspezifisch metabolisiert zum aktiven Metaboliten, der das Enzym ATP-Citrat-Lyase (ACL) und damit die intrazelluläre Cholesterol-Biosynthese hemmt. Wie bei Statinen werden in der Folge vermehrt hepatische LDL-Rezeptoren exprimiert, die wiederum mehr LDL-Cholesterol aus dem Plasma entfernen. Zusätzlich sinkt die hepatische Biosynthese von Fettsäuren. Outcome-Studien zu harten Endpunkten wie Herzinfarkt oder kardiovaskulärem Tod würden 2023 erwartet, sagte Siebenand in der Diskussion.

Vorsicht ist geboten bei Gichtpatienten, denn die Harnsäure kann unter Bempedoinsäure steigen. Ebenso können die Plasmaspiegel von Statinen und damit das Risiko von Myopathien steigen. »Sehr interessant sind Hinweise auf eine verbesserte Glucosetoleranz – im Gegensatz zu Statinen, die diese verschlechtern.« Wie viele neue Substanzen ist Bempedoinsäure in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.

Mit Romosozumab (Evenity® von UCB Pharma) hielt ein neues Wirkprinzip bei Osteoporose Einzug. Es ist ein Hemmstoff des Glykoproteins Sklerostin, fördert den Knochenaufbau und hemmt den Knochenabbau. Der Antikörper ist bei manifester Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit deutlich erhöhtem Frakturrisiko zugelassen. Einmal pro Monat werden 210 mg (in zwei Spritzen) subkutan verabreicht. Die Therapie ist auf zwölf Monate begrenzt; danach erfolgt eine Umstellung auf Peroralia, meist Bisphophonate. Später kann aber erneut ein Romosozumab-Zyklus beginnen.

Aufgrund des erhöhten kardiovaskulären Risikos in Studien ist der Antikörper kontraindiziert bei Herzinfarkt und Schlaganfall in der Anamnese. Apotheker sollten den Patienten den regelmäßigen Zahnarztbesuch und eine gute Mundhygiene nahelegen, um Kiefer-Osteonekrosen zu begegnen, riet Siebenand.

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