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Neurodermitis

Innovative Therapien haben es schwer

Die richtige Basispflege und eine topische Corticoid- oder Calcineurin-Inhibitor-Therapie hilft vielen, aber bei Weitem nicht allen Patienten mit atopischem Ekzem (Neurodermitis). Die Entwicklung alternativer Arzneistoffe gestaltet sich aus verschiedenen Gründen schwierig, doch besteht Hoffnung, dass sich die Therapiepalette in den kommenden zehn Jahren erweitert.
Daniela Hüttemann
11.12.2018
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Einem aktuellen Report der Pharma-Unternehmensberatung Global Data zufolge wird sich der Markt für Therapien zur Behandlung der atopischen Dermatitis in sieben wichtigen Märkten von derzeit 6,4 Milliarden US-Dollar (rund 5,6 Milliarden Euro) mit einer jährlichen Wachstumsrate von 11,1 Prozent auf 18,3 Milliarden US-Dollar (rund 16,0 Milliarden Euro) im Jahr 2027 erhöhen. Nicht nur nimmt die Zahl der Patienten mit Neurodermitis in den Industrieländern immer weiter zu. Nach Einschätzung von Global Data werden in den nächsten Jahren auch einige Interleukin- und Janus-Kinase-Inhibitoren auf den Markt kommen, die die Ausgaben in die Höhe treiben werden.

Ohne Frage besteht noch Bedarf an neuen Therapiemöglichkeiten, vor allem für Patienten mit moderaten bis schweren Formen. Die Erkrankung zeigt sich durchaus variabel und nicht jeder Patient spricht auf die gleiche Weise auf die gleiche Therapie an. »Die Herausforderung liegt darin, dass die Erstlinien-Therapie von kostengünstigen, generischen topischen Arzneistoffen wie Corticosteroiden und Calcineurin-Inhibitoren dominiert wird«, so Pharmaanalyst Antoine Grey. Er sieht hier eine hohe Hürde für die Entwicklung neuer Präparate zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Form.

Eine weitere Schwierigkeit ist die variable Pathogenese, zu der es noch große Wissenslücken gibt. »Falls eine genetische Komponente oder ein Signalfehler, der bei allen Patienten vorkommt, ausgemacht werden könnte, könnten zielgerichtete Wirkstoffe die Erkrankung möglicherweise sogar heilen«, spekuliert Grey – doch eine solche Therapie ist noch nicht in Sicht.

Mit Dupilumab (Dupixent® von Sanofi) kam vor etwa einem Jahr ein erster monoklonaler Antikörper in der EU auf den Markt. Dupilumab richtet sich gegen die α-Untereinheit des Interleukin (IL)-4-Rezeptors, wodurch der IL-4-/IL-13-Signalweg gehemmt wird. Das Unternehmen strebt derzeit eine Zulassungserweiterung für jugendliche Patienten an; Studien mit jüngeren Kindern laufen noch. Bislang ist der monoklonale Antikörper nur für Erwachsene zugelassen, dabei betrifft Neurodermitis in deutlich höherem Anteil Kinder.

Neue Arzneistoffe könnten Dupilumab Konkurrenz machen, beispielsweise Tralokinumab, ein IL-13-Antikörper von Leo Pharma, oder der Janus-Kinase-Hemmer Baricitinib von Lilly, der bereits als Olumiant® zur Therapie der rheumatoiden Arthritis zugelassen ist und sich nun in Phase-III-Studien bei atopischer Dermatitis beweisen soll. Bei AbbVie steckt der JAK-1-Inhibitor Upadacitinib noch in Phase II in dieser Indikation.

Pfizer hat für den Phosphodiesterase-4-Hemmer Crisaborol in der EU die Zulassung beantragt. In den USA ist der Wirkstoff bereits in Salbenform (Eucrisa™ ) auf dem Markt. Pfizer hat zudem für den JAK-1-Inhibitor Abrocitinib (PF-04965842), der sich derzeit in Phase III befindet, bei der FDA einen Breakthrough-Status bekommen.

Ein Hoffnungsträger ist der monoklonale Antikörper Nemolizumab von Chugai/Galderma. Er richtet sich gegen Interleukin 31 und soll den starken Juckreiz bei Atopikern lindern. In Phase-II-Studien war Nemolizumab bislang sehr erfolgreich.

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