Pharmazeutische Zeitung online

Reinigen, pflegen, stabilisieren: Hilfe für die trockene Haut

19.10.1998
Datenschutz bei der PZ

-Titel

Govi-Verlag

Reinigen, pflegen, stabilisieren:
Hilfe für die trockene Haut

Trockene Haut spannt, schuppt und fühlt sich rauh an. Sie wirkt stumpf und glanzlos und juckt häufig. Etwa dreißig Prozent der Bevölkerung haben diese Probleme, zum Teil alters- und berufsbedingt, häufig aber auch wegen einer atopischen Konstitution oder Dermatosen. Doch auch Umweltbelastungen strapazieren das größte Kontaktorgan des Menschen. Häufiges Duschen und Waschen oder trockene Innenraumluft stören die wichtigen Abwehrsysteme der Haut: die Permeabilitätsbarriere und den Hydrolipidfilm. Außerdem wird die Wasserbindungskapazität der Hornschicht beeinträchtigt.

Die Permeabilitätsbarriere besteht aus proteinreichen Hornzellen, den Korneozyten, und dem lipidreichen Hornzellkitt, der den Interzellularraum auskleidet. Sie wird ausgehend vom Stratum basale, der untersten Zellschicht der Epidermis, gebildet. Die dort gebildeten Keratinozyten wandern langsam an die Oberfläche und verändern dabei Form und Funktion. Aus lebenden Keratinozyten werden abgestorbene Hornzellen (Korneozyten), die mit der Zeit abschilfern. Die Lipide des Hornzellkitts werden in allen kernhaltigen Schichten der Epidermis produziert und in der Hornschicht freigesetzt. Dort bilden sie multiple bilamelläre Schichten, also liposomale Strukturen. Für die Funktion der Permeabilitätsbarriere ist ein optimales konstantes Verhältnis der hauptsächlich beteiligten Lipidklassen (Cholesterol, freie Fettsäuren und Sphingolipide) nötig. Die Hautoberfläche wird bedeckt von einem Hydrolipidmantel, der je nach Zusammensetzung eine W/0 oder eine O/W-Emulsion ausbilden kann.

Der Wassergehalt im Stratum corneum ist für die Weichheit und plastische Verformbarkeit der Hautoberfläche von großer Bedeutung. Wasser wird in der Hornschicht durch natürliche Feuchthaltefaktoren, die "natural moisturizing factors" (NMF) gebunden. Diese Substanzen vermindern die Verdunstung an der Hautoberfläche. Ein wichtiger Bestandteil des NMF ist Harnstoff, der - auf die Haut aufgetragen - die Wasserbindungskapazität steigern kann. Dabei bestimmt die Galenik der Grundlage die Menge an Harnstoff, die in die einzelnen Hautschichten vordringen kann. Für eine Sofortwirkung, zum Beispiel im Sinne eines kosmetischen Effekts, sind O/W-Emulsionen geeignet. Soll aber eine krankhaft gestörte Hornschicht stabilisiert oder restauriert werden, sind W/O-Systeme vorzuziehen.

Ziel der Pflege einer trockenen Haut ist es, die Barrierefunktion wiederherzustellen und/oder den Wassergehalt der Hornschicht zu erhöhen. Beides erreicht man durch Okklusion. Wasserfreie Fettsalben wie Vaseline oder Lipogele und W/O-Emulsionen sind hier indiziert. Lipophile wasserfreie Externa eignen sich für extrem trockene und hyperkeratotische Areale. Jedoch sind W/0-Systeme bei den Patienten wesentlich beliebter, und zwar um so mehr, je höher ihr Wassergehalt ist (in der Regel zwischen 10 und 70 Prozent). Zur Verfügung stehen Cold Creams, Kühlsalbe DAB, wasserhaltige Wollwachsalkoholsalbe und entsprechende Basispräparate verschiedener Hersteller. Generell werden im Gesicht Vehikel mit niedrigem Fettgehalt bevorzugt, am Stamm und an den Extremitäten kann der Fettgehalt höher sein. In den Sommermonaten sind Emulsionen mit hohem Wasseranteil besser geeignet. Letztlich muß immer der Patient die Hautpflege akzeptieren.

Auch Ölbäder sind wichtig bei der Behandlung der trockenen Haut. Man unterscheidet Spreit- und Emulsionsölbäder. Spreitende Ölbäder überziehen die Haut beim Aussteigen aus der Wanne mit einem Film, fetten besonders gut, aber reinigen nur gering. Anwenderfreundlicher sind Emulsionsölbäder, die besser reinigen, aber weniger fetten. Ölbäder eignen sich auch zum Duschen: mit dem Präparat die feuchte Haut einölen und kurz abbrausen. Spreitende Ölbäder können ohne Abduschen auf der Haut verbleiben.

Zur Reinigung sind leicht sauer eingestellte Syndets den Seifen vorzuziehen. Zwischen den einzelnen Tensidklassen gibt es erhebliche Unterschiede in der Hautverträglichkeit. Als schlecht verträglich gelten anionische Tenside mit hohem Irritationspotential wie Natriumlaurylsulfat. Günstiger beurteilt werden anionische Tenside vom Typ der Fettalkoholethersulfonate, Sulfosuccinate und Ethercarboxylate sowie amphotere Tenside vom Typ der Betaine. Besonders hautverträglich sind nichtionische Tenside wie Alkylpolyglykoside. Die Hautverträglichkeit eines Produktes hängt letztlich von der Mischung aller Tenside und Zusätze (Hautschutz, Antireizstoffe, Überfettungsmittel, Feuchthaltesubstanzen) ab.

Aufgabe der Hautpflege ist es, der trockenen Haut wieder Feuchtigkeit zuzuführen. Feuchthaltefaktoren aus Cremes halten das zugeführte Wasser in der Hornschicht zurück. Die Emulsionen können vom W/0- oder O/W-Typ sein mit entsprechend hohem Lipidanteil. Bei der Altershaut, die häufig juckt, schuppt und spannt, scheint primär der Hydrolipidmantel gestört zu sein; die Hornschicht ist im wesentlichen intakt. Die pflegende Therapie soll den fehlenden Hydrolipidmantel ersetzen. Ältere Menschen können stark rückfettende Ölbäder zum Baden oder Duschen verwenden. Zur Hautpflege dienen W/0-Emulsionen; liposomale Dispersionen penetrieren noch besser. Tips für ältere Menschen: zu häufiges, heißes Baden oder Duschen vermeiden, keine alkalische Seife verwenden; Franzbranntwein und Arnikatinktur vermeiden, da sie die Haut zusätzlich austrocknen. Wäsche immer gründlich nachspülen, da Waschmittelreste die Haut irritieren.

Die gleichen Pflege- und Vorsorgemaßnahmen gelten auch für das Austrocknungsekzem. Einem Handekzem beugen Schutzsalben oder Handschuhe vor. Weitere Tips zur Vorbeugung von chronisch irritativ-toxischem und Austrocknungsekzem: Kontakt mit Wasser und Detergenzien gering halten, Kontakt mit Haushaltsreinigern, Wasch- und Lösemitteln vermeiden, Schrubber und Stielbürsten verwenden.

PZ-Titelbeitrag von Tanja Schweig, Alsdorf

Top

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa