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Alosetron lindert Beschwerden des Reizdarmsyndroms

07.08.2000
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-PharmazieGovi-Verlag

Alosetron lindert Beschwerden des Reizdarmsyndroms

von Christiane Berg, Hamburg

Unter dem Namen Lotronex® ist der selektive 5-HT3 -Rezeptorantagonist Alosetron seit Februar 2000 in den USA zur Therapie des Reizdarmsyndroms bei Frauen auf dem Markt, deren Beschwerden vorrangig durch Diarrhöe geprägt sind. GlaxoWellcome, Hamburg, rechnet mit der Zulassung in Deutschland im Jahr 2001. Das Wirkprinzip von Alosetron schilderte Dr. Tjark Reblin auf einer Pressekonferenz am 28. Juli.

95 Prozent des im Körper vorhandenen 5-Hydroxytryptamins (5-HT oder Serotonin) befinden sich in den enterochromaffinen Zellen der Darmwand, aus denen es als Reaktion auf chemische und physikalische Reize wie Dehnung freigesetzt wird. Über Kopplung insbesondere an 5 HT3-Rezeptoren sowie die Vermittlung viszeraler Hypersensitivität, gesteigerter Darmmotilität und Schleimsekretion über extrinsische und intrinsische Neurone ist 5-HT an der Entstehung des Reizdarmsyndroms beteiligt.

Weniger Schmerz, Durchfall und Krämpfe

Als kompetitiver Inhibitor der 5-HT3-Rezeptoren reduziert Alosetron Beschwerden wie Schmerz, Diarrhöe und abdominelle Krämpfe, die als Hauptsymptome des Reizdarmsyndroms gelten, berichtete der Referent. Dehungsstudien hätten gezeigt, dass das Ballonvolumen, bei dem Schmerzen wahrgenommen wurden, unter Alosetron im Vergleich zu Placebo signifikant stieg. Signifikant nahm auch die Colontransitzeit zu, erläuterte er.

Bislang wurden drei klinische Phase-III-Studien durchgeführt. Nicht nur gegen Placebo sondern auch im Vergleich zur gegenwärtig in Deutschland am häufigsten eingesetzten Standardsubstanz Mebeverin (Duspatal® und Mebemerck®) kam es zur signifikanten Abnahme von abdominellen Schmerzen, Stuhldrang und Stuhlfrequenz sowie zur Normalisierung der Stuhlkonsistenz.

Die Inzidenz unerwünschter Ereignisse unter Alosetron entsprach weitgehend der unter Placebo. Signifikante Unterschiede zeigten sich nur beim Auftreten der Obstipation (26 Prozent unter Alosetron gegenüber 7 Prozent unter Placebo). Alosetron verbesserte signifikant die Lebensqualität der behandelten Patientinnen.

Mehr ärztliche Zuwendung

Trotz des hohen Leidensdrucks gilt die Erkrankung bislang noch immer als psychosomatisch ohne organische Grundlage. Die Patienten klagen über das Unverständnis, das ihnen selbst von Ärzten entgegenschlägt. Für eine "Positivdiagnose" auf Grund der typischen Anamnese statt der bislang praktizierten Ausschlussdiagnose sowie verstärkten Einsatz der "kleinen Psychotherapie", sprich: ärztliche Zuwendung plädierte Professor Dr. Wolfgang Kruis aus Köln. Anschließend empfehle es sich, die einzelnen Beschwerden gezielt zu behandeln.

In Deutschland leiden etwa 10 Prozent der Erwachsenen unter 65 Jahren unter den Symptomen eines Reizdarmsyndroms. Allerdings konsultiert nur jeder Fünfte einen Arzt. Frauen sind etwa doppelt so häufig wie Männer betroffen. Als Erklärung wird unter anderem der Einfluss weiblicher Hormone auf die Darmsymptomatik sowie ein anderer Umgang mit Körpersymptomen und Krankheiten herangezogen.

Die Spitze des Eisbergs

Reizdarmsyndrom – was sich nach einer Lappalie anhört und von Außenstehenden, inklusiven Ärzten, auch so behandelt wird, macht vielen Menschen das Leben zur Hölle, so Petra Ilgenstein, Initiatorin der Deutschen Reizdarmselbsthilfe, Burgdorf. Die Betroffenen klagen zum Teil jahrelang über quälende Symptome, die sie oftmals in die soziale Isolation treiben. Sie fühlen sich einerseits nicht ernst genommen, es ist ihnen andererseits peinlich, über ihre Beschwerden zu sprechen. 70.000 Briefe und Hilferufe, die seit Gründung der Selbsthilfegruppe 1996 eingingen , seien nur die Spitze des Eisberges und deuteten auf eine große Dunkelziffer hin. Die Deutsche Reizdarmselbsthilfe trägt mit Kongressen und Seminaren, Broschüren und Patiententagebüchern, die das Arzt/Patienten-Gespräch erleichtern, zur Aufklärung über das Krankheitsbild bei. Infomaterial kann unter folgender Adresse angefordert werden:
Deutsche Reizdarmselbsthilfe e.V.
Mörikeweg 2,
31303 Burgdorf,
Fax: 05136/873662,
E-Mail: dt.reizdarm@t-online.de.Top

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