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Nach CAR-T-Zell-Therapie
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Infektionen häufigste Komplikationen

Was sind bei Patienten, die eine CAR-T-Zell-Therapie erhalten haben, abgesehen von der Tumorerkrankung die häufigsten Todesursachen? Auf dieser Frage hat jetzt ein internationales Forscherteam eine überraschende Antwort gefunden.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 09.07.2024  15:26 Uhr
Toxizität auch abhängig vom CAR-T-Zell-Produkt

Toxizität auch abhängig vom CAR-T-Zell-Produkt

Die Forschenden richteten ihr Augenmerk auch auf mögliche Unterschiede zwischen verschiedenen CAR-T-Zell-Produkten. So lag bei Patienten mit multiplem Myelom die nicht rückfallbedingte Sterblichkeit nach Erhalt von Ciltacabtagen autoleucel (Carvykti®) mit 15,2 Prozent signifikant höher als nach Therapie mit Idecabtagen vicleucel (Abecma®) mit 6,3 Prozent. Beim großzelligen B-Zell-Lymphom war Axicabtagen ciloleucel (Yescarta®) mit einer höheren nicht rückfallbedingte Sterblichkeit verbunden als andere CAR-T-Zell-Produkte wie Lisocabtagen maraleucel (Breyanzi®) und Tisagenlecleucel (Kymriah®).

Dieses Teilergebnis relativiert jedoch Seniorautor Privatdozent Dr. Kai Rejeski von der LMU in einer Pressemitteilung: Die Art der Studie gebe es nicht her, zu beurteilen, ob ein spezifisches Produkt wirklich ein höheres Risiko für eine tödliche Nebenwirkung verursacht – das könne nur eine randomisierte verblindete Studie. »Aber es ist ein Hinweis, der Ärzte veranlassen könnte, bei zwei gleich effektiven Produkten für die CAR-T-Therapie eines bestimmten Tumors das mit der niedrigeren Sterblichkeit zu wählen«, so der Wissenschaftler.

Auch deuteten sich Unterschiede in den Nachbeobachtungszeiten und den Studienumgebungen (klinische Studien versus reale Umgebungen) an, die die Wahrscheinlichkeit für eine Non-Relapse-Mortalität beeinflussen. Diese Unterschiede waren jedoch nicht signifikant.

Insgesamt wirft diese Metaanalyse ein Licht auf die kritischen Aspekte der Nicht-Rückfall-Mortalität bei der CAR-T-Zell-Therapie und plädiert für verbesserte Patientenbetreuungsprotokolle, eine maßgeschneiderte Produktverwendung und umfassende Berichtsmaßnahmen zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse und Sicherheitsprofile. »Letzten Endes werden mit dieser Studie unsere bisherigen Annahmen ein Stück weit auf den Kopf gestellt«, sagt Rejeski. Der Fokus müsse in Zukunft vor allem darauf liegen, »Infektionen von vornherein so gut wie möglich vorzubeugen, sie frühzeitig zu erkennen und Infektionen auch in Studien präziser zu beschreiben.«

Unterm Strich steht aber für Rejeski fest, dass der Nutzen einer CAR-T-Zell-Therapie die Risiken bei Weitem überwiegt. 

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