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Drogenscreening und Asservatenuntersuchung

23.08.2004
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Fachapotheker für Toxikologie und Ökologie

Drogenscreening und Asservatenuntersuchung

von Jürgen Sawazki, Viersen

Krankenhausapotheker, deren Fachrichtung klinisch-toxikologisch ausgerichtet ist, findet man in Deutschland nur selten. Dabei bietet dieses Arbeitsgebiet auch in der Krankenhausapotheke gute Perspektiven für Fachapotheker der Toxikologie und Ökologie.

Bereits 1983 wies ein Bericht der deutschen Forschungsgemeinschaft (1) darauf hin, dass Deutschland auf dem Gebiet der klinisch-toxikologischen Analytik Nachholbedarf hat. Die Situation hat sich hierzulande bis heute kaum verändert, dagegen bietet in den Niederlanden zum Beispiel fast jede Krankenhausapotheke klinisch-toxikologische Analysen an.

Dabei bietet dieses Berufsfeld Apothekern weit reichende Chancen, da sie durch ihr Studium oft bessere Voraussetzungen als andere Absolventen mitbringen. Zum Ausbau der Fachkenntnisse bietet sich die Regelweiterbildung zum Fachapotheker für Toxikologie und Ökologie durch die Kammern an, Fortbildungsangebote und Fachzeitschriften für die klinisch-toxikologische Arbeit sind bei der Gesellschaft für toxikologische und forensische Chemie (GTFCH), der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) und der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) erhältlich.

Versorgung und Analytik

Ein Beispiel für dieses interessante, abwechslungsreiche und für den klinischen Alltag nützliche Arbeitsfeld ist die Apotheke der Rheinischen Kliniken Viersen, die sich gleichzeitig als Weiterbildungsstätte zum Fachapotheker für Toxikologie und Ökologie etabliert hat. Zwei gleichrangige Aufgabenschwerpunkte bestimmen den Alltag: Die Versorgung von drei Kliniken mit Arzneimitteln und Medizinprodukten sowie die Analytik von Arznei- und Suchtstoffen aus unterschiedlichen Matrices (Arzneimitteln, Asservaten und Körperflüssigkeiten).

Ausgehend vom Selbstverständnis der Krankenhausapotheke als Dienstleistungszentrum um das Thema Arzneimittel gehören die Arzneimittelversorgung der Stationen, die Herstellung von Arzneimitten und die pharmakologische Beratung von Ärzten und Pflegepersonal zu den täglichen Aufgaben. Seit 17 Jahren findet darüber hinaus ein konsequenter Ausbau von Dienstleistungen zur Arznei- und Suchtstoffanalytik, abgerundet durch umfangreiche Beratungen zu analytischen Fragestellungen statt. Zur Analytik werden Gaschromatographie in Kombination mit Massenspektrometrie (GC-MS), Hochleistungsflüssigchromatographie (HPLC) mit Diodenarray-, Fluoreszenz- oder UV-Detektion sowie immunologische Methoden auf einem Hitachi 911 eingesetzt.

Schwerpunkt Drogenscreening

Der analytische Schwerpunkt der Apotheke liegt auf dem Nachweis von missbräuchlichen verwendeten Arznei- und Suchtstoffen im Urin, dem so genannten Drogenscreening. Pharmakologisch kann die angeforderte Analytik zur Aufklärung einer Intoxikation, dem Nachweis oder Ausschluss von Drogenkonsum oder einer Compliancekontrolle dienen.

Das Spektrum der analytischen Fragestellungen ist sowohl aus Sicht der Pharmakologie und Toxikologie, als auch in Bezug auf die rechtliche Bedeutung und Dringlichkeit der Ergebnisse heterogen. Die klinische Relevanz ist Messlatte für die objektive Dringlichkeit der Untersuchung. So werden andere Arbeiten zurückgestellt, wenn Proben eines Patienten mit Intoxikationsverdacht eintreffen, um dem behandelnden Arzt möglichst schnell Informationen zu liefern. Alle klinisch relevanten Ergebnisse sollen spätestens 24 Stunden nach Eintreffen der Probe vorliegen.

Die geringste Dringlichkeit zur Erstellung eines gesicherten Ergebnisberichtes besteht bei ausschließlich rechtsrelevanten Ergebnissen. Immunologisch ermittelte Drogennachweise können falsch positiv oder falsch negativ sein und sind deshalb gerichtlich nicht verwertbar. Positive immunologische Drogennachweise müssen chromatographisch bestätigt werden, bevor aus den Ergebnissen Konsequenzen folgen. Aus diesem Grund erhält die Klinikapotheke von Apotheken, Firmen, Behörden oder Privatpersonen Proben, die mit chromatographischen Verfahren wie GC-MS und HPLC-DAD untersucht beziehungsweise deren Ergebnisse bestätigt werden sollen. Die Apotheker werten die Messergebnisse aus und beraten entsprechend. Sie bieten zudem Fortbildungen zum Thema Toxikologie oder Drogenscreening an, weil vielfach die analytischen Möglichkeiten nicht bekannt sind oder aus Unwissenheit kein Screening angefordert wird. Ergänzt wird das Dienstleistungsspektrum der Apotheker durch telefonische Einzelfallberatung.

Serumspiegel bestimmen

Therapeutisches Drug-Monitoring (TDM) wird nur dann verstärkt eingesetzt, wenn es eine kostengünstige Alternative darstellt, die Ergebnisse schnell verfügbar sind und der Arzt die positiven Auswirkungen unmittelbar in der Klinik feststellen kann. In der Apotheke der Rheinischen Kliniken Viersen werden hauptsächlich für psychiatrische Kliniken Serumspiegel von Psychopharmaka und Antiepileptika bestimmt und anschließend wird mit dem behandelnden Arzt gegebenenfalls eine Dosisanpassung oder ein Präparatwechsel besprochen. Dieses für einige Antiepileptika gängige Procedere kann auch bei Psychopharmaka mit großer therapeutischer Breite sinnvoll sein, denn mindestens 30 Prozent der Patienten metabolisieren Psychopharmaka ungewöhnlich schnell oder besonders langsam, was zu unerwartet niedrigen und damit unwirksamen oder unnötig hohen Serumspiegeln der Arzneistoffe führt (2). Im Gegensatz zu anderen Pharmaka ist die klinische Wirksamkeit eines Neuroleptikums oder Antidepressivums oft erst nach einer Behandlungsdauer von zwei Wochen erkennbar. Durch frühzeitige Messung der Serumkonzentrationen des eingesetzten Arzneistoffs wird sichergestellt, dass der Wirkstoff so schnell wie möglich den Spiegel mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit erreicht. In diesem Arbeitsfeld beraten die Apotheker nicht nur Ärzte zu aktuellen Messwerten, sondern führen auch Fortbildungsarbeit zum TDM durch.

In den Rheinischen Kliniken Viersen ist das TDM der eingesetzten antipsychotisch wirksamen Pharmaka seit diesem Jahr fester Bestandteil der Klinikleitlinie zur Schizophreniebehandlung.

Kopfkissen verrät Identität

Das vorhandene Know-how und die apparative Ausstattung ermöglichen der Apotheke auch die Analytik von Asservaten auf Suchtstoffe. Häufig untersucht werden in diesem Zusammenhang Tabletten, Kapseln, Pulver, Lösungen, Pflanzenteile und Gegenstände. Hier reicht das Spektrum vom Löffel mit Resten über gebrauchte Taschentücher bis zu einem kompletten Kopfkissen. Dem Kunden werden nur Informationen zur Identität, aber nicht aber zu Reinheit oder Gehalt übermittelt, damit diese Dienstleistung nicht missbraucht wird. Immer wieder kommt es in diesem Arbeitsgebiet zu Abweichungen von der Suchtstofffragestellung. So geht es manchmal auch um Anabolika oder um die Untersuchung von Leberwurst zur Aufklärung der Vergiftung eines lieb gewonnenen Haustieres. Solche Untersuchungen erfolgen nur nach telefonischer Abstimmung mit der einsendenden Apotheke zur exakten Abklärung der Fragestellung und zum Aufzeigen der Grenzen der eingesetzten Analysemethoden.

 

Literatur

  1. Deutsche Forschungsgemeinschaft, Klinisch toxikologische Analytik – Lage und Ausbaunotwendigkeit, VCH Verlag, Weinheim 1983.
  2. Gastpar, M., Banger, M.: Laboruntersuchungen in der psychiatrischen Routine, 106, Thieme Verlag, Stuttgart, New York 2000.

 

Anschrift des Verfassers:
Jürgen Sawazki
Apotheke der Rheinischen Kliniken Viersen
Johannisstraße 70
41179 Viersen
Telefon (0 21 62) 96 33 50
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