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Großflächige Krebsfelder behandeln

22.11.2004
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Aktinische Keratose

Großflächige Krebsfelder behandeln

von Gudrun Heyn, Berlin

Wenn sich ein Tumor über ganze Hautareale verbreitet, versagen die aktuellen Behandlungsmethoden der Wahl. Operation, Lasertherapie oder Vereisung bei minus 170 Grad hinterlassen zu große Wunden.

Eine Erkrankung, die die Mediziner zum Umdenken zwingt, ist die aktinische Keratose. Die Lichtschwiele kommt häufig nicht als singulärer Tumor vor, sagte Professor Dr. Eggert Stockfleth anlässlich der Eröffnung des Haut Tumor Centrums der Charité (HTCC). In ganzen Arealen sind Veränderungen in den Zellen zu beobachten, die alle Zeichen eines Krebses der obersten Epidermis zeigen. So kann nahezu der komplette Gesichtsbereich betroffen sein. Die übliche Kryotherapie ist dann nicht mehr möglich. Einer der Forschungsschwerpunkte des HTCC ist es daher, für solche Krebsfelder neue Therapieformen zu entwickeln.

An der Charité eingesetzt werden der Immune Response Modifier Imiquimod, das nicht steroidale Antiphlogistikum Diclofenac als Gel und Polyphenon-E-Salbe, ein definierter Extrakt, der aus Blättern des Grünen Tees gewonnen wird. Als Alternative zum Eincremen wenden die Mediziner zudem auf großen Hautflächen die photodynamische Therapie (PDT) an. Während bereits eine lichtsensibilisierende Creme (Metvix®) für die PDT und auch ein Diclofenac-Gel (Solaraze®) zur Behandlung aktinischer Keratosen zugelassen sind, werden Imiquimod in einer Phase-III-Studie und Polyphenon E in einer Phase-II-Studie eingesetzt.

Allein in Deutschland erkranken jährlich 200.000 Menschen an einer lichtbedingten Keratose. Jeder zweite Erwachsene über 60 Jahre ist bereits betroffen. Doch der Gipfel des Eisberges ist noch nicht erreicht. In den kommenden Jahren rechnen die Mediziner mit einem Anstieg auf 250.000 Patienten pro Jahr. Im Laufe des Lebens entwickelt sich bei etwa 15 Prozent dieser Menschen aus der Lichtschwiele ein Plattenepithelzellkarzinom. Ab einer gewissen Größe kann auch diese Form des hellen Hautkrebses metastasieren. Doch nur etwa 10 Prozent der Patienten sind davon betroffen.

Offensichtlich spielt das Immunsystem bei der Abwehr von Hautkrebs eine große Rolle, betonten die Experten. Auch der Einfluss der Psyche dürfe dabei nicht unterschätzt werden, sagte Dr. Uwe Trefzer vom HTCC. Erst kürzlich wurde eine Studie noch in der Rekrutierungsphase mit weltweit 200 Patienten abgebrochen, in der ein neuer Wirkstoff zur Behandlung des Malignen Melanoms getestet werden sollte. Der psychoonkologisch betreute Placeboarm erwies sich in der Studie als ebenso effektiv. Nach der Entblindung konnte bei drei Patienten des Placeboarms sogar eine komplette Tumorregression festgestellt werden. Die Fernmetastasen waren vollständig zurückgegangen. Daher können die Patienten des HTCC in Zukunft nicht nur von den neuen therapeutischen Optionen profitieren, auch eine psychoonkologische Betreuung soll ihnen zur Seite stehen. Top

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