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Fluor war sein Element

23.09.2002
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Henri Moissan

Fluor war sein Element

von Bernard Unterhalt, Marburg

Einer der bedeutendsten französischen Wissenschaftler und Nobelpreisträger für Chemie ist Ferdinand-Frédéric Henri Moissan. Dem geschickten Experimentator gelang nicht nur erstmals die Synthese von Fluor, er gilt auch als der Erfinder des künstlichen Diamanten. Am 28. September würde er 150 Jahre alt.

Weltberühmt wurde Moissan, als ihm 1886 nach etlichen Versuchen die elektrochemische Gewinnung von elementarem Fluor aus wasserfreier Flusssäure/ Kaliumfluorid in einer Platinapparatur bei minus 50° Celsius gelang. Den Apparat ersetzte er später durch ein Kupfergerät, das fünf Liter Fluor/ h erzeugte. Die Entdeckung führte zur Verleihung des angesehenen „Prix La Caze“ durch die französische Akademie der Wissenschaften.

Ab 1882 entwickelte Moissan einen elektrischen Ofen, den „four eléctrique“, mit dem er Hochtemperaturchemie (1900 bis 3500° Celsius) betrieb. Er ließ eine Fülle von vermeintlich feuerfesten Stoffen schmelzen und erstarren, unter anderem Aluminiumoxid, Zirconoxid und Kieselerde und verdampfte Metalle mit größter Leichtigkeit. Bei gewöhnlicher Temperatur indifferente Stoffe, beispielsweise Kohlenstoff, Silicium oder Bor, reagierten mit fast allen Elementen und bildeten Carbide, Silicide und Boride. Henri Moissan war der erste, dem es gelang, auf diese Weise täuschend echt wirkende, künstliche Diamanten herzustellen. Der „Moissanit“ wird heute als perfekte Imitation für die kostbaren Edelsteine in Schmuck eingesetzt. Moissans zahlreiche Arbeiten sind in mehr als 300 Publikationen niedergelegt.

Ferdinand-Frédéric Henri war der Sohn eines Eisenbahnbeamten aus Toulouse. 1870 verließ er das Collège municipal ohne „Grade universitaire“ und arbeitete als Lehrling in einer Pariser Drogerie. Am Musée nationale d’Histoire naturelle im Fremy’schen Labor begann Moissan 1872 sein Studium. Nach Aufholen seiner Schulversäumnisse in alten Sprachen und Physik erreichte er sein „baccalaureat“. 1879 bestand er das pharmazeutische Examen und erhielt 1880 mit einer Arbeit über Eisenoxide den Doktortitel. Nach seiner Tätigkeit in einem privaten analytischen Labor fand er 1882 eine Anstellung an der Ecole supérieure de Pharmacie, wurde dort 1886 Professor für Toxikologie und ab 1899 auch Professor für anorganische Chemie.

Ruf als Redner

Moissan galt als einer der besten wissenschaftlichen Redner von Paris, seine Vorlesungen waren ein Genuss. 1900 berief man ihn an die Universität Paris. Er war wiederholt Präsident der Chemischen und Pharmazeutischen Gesellschaft und präsidierte dem vierten Internationalen Kongress für angewandte Chemie in Paris.

Seine allgemeine Anerkennung brachte ihm nicht nur zahlreiche Ehrungen und Preise, sondern 1906, kurz vor seinem Tod, auch den Nobelpreis. „Le fluor aura raccourci ma vie de dix ans « (Fluor wird mein Leben um zehn Jahre verkürzen), sagte er gelegentlich.

 

Lebensdaten

  • 1852, am 28. September, als Sohn des Eisenbahnbeamten Ferdinand Moissan in Paris geboren
  • 1864 Umzug von Paris nach Meaux, Besuch des Collège municipal
  • 1870 Lehrling in der Drogerie Bandry in Paris
  • 1872 Beginn des Studiums im Labor von E.F. Fremy (1814 bis 1894)
  • 1874 Baccalaureus (Abitur)
  • 1877 Licencié ès-Sciences (wissenschaftlicher Referendar)
  • 1879 pharmazeutisches Examen
  • 1880 Doktortitel
  • 1880-82 Tätigkeit in einem privaten analytischen Labor
  • 1882 Heirat mit Léonie Lugan, Tochter eines Apothekers in Meaux
  • 1885 Geburt von Sohn Louis
  • 1882 Agrégé des Sciences physiques et chimiques an der Ecole supérieure de Pharmacie (wissenschaftlicher Beisitzer)
  • 1886 Professor für Toxikologie
  • 1899 Professor für anorganische Chemie
  • 1900 Professor für anorganische Chemie an der Universität Paris
  • 1906 Nobelpreis für Chemie
  • 1907, am 20 Februar, nach einer Operation an Herzschwäche gestorben

 

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