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Antidepressiva: Gene entscheiden über Therapieerfolg

 

Die individuelle Ausstattung mit dem Leberenzym CYP2C19 hat entscheidenden Einfluss darauf, ob eine antidepressive Therapie mit Escitalopram anschlägt. Das leiten schwedische und norwegische Pharmakogenetiker aus einer retrospektiven Studie mit Daten von 2087 Patienten mit Depressionen ab. Eine Genotypisierung vor der Auswahl und Dosierung eines passenden Wirkstoffs könnte die Therapie von Depressionen daher deutlich verbessern, vermuten die Forscher um Marin Jukic vom Karolinska-Institut in Stockholm.

Variationen im CYP2C19-Gen resultieren in extremen Unterschieden bei den Wirkspiegeln von Escitalopram, die die Patienten erreichen, heißt es in einer begleitenden Pressemitteilung. Einige würden kaum auf die Therapie ansprechen, andere erleben so starke Nebenwirkungen, dass sie die Therapie abbrechen. Etwa ein Drittel der Probanden hatte zu hohe oder zu niedrige Blutspiegel, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin «The American Journal of Psychiatry».

Von den Patienten, die eine entsprechende Genvariante trugen, wechselten 30 Prozent innerhalb eines Jahres auf ein anderes Antidepressivum. Bei den Patienten mit «normaler» CYP2C19-Variante, sprich weder mit einer übermäßig hohen noch mit deutlich verminderten Enzymaktivität, waren es dagegen nur 10 bis 12 Prozent. Da das Enzym auch in den Metabolismus vieler anderer selektiver Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) involviert ist, sei mit entsprechenden Effekten bei anderen Antidepressiva zu rechnen, meint Studienleiter Professor Dr. Magnus Ingelman-Sundberg. (dh)

DOI: 10.1176/appi.ajp.2017.17050550

 

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05.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Photographee.eu