Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Studie: Säureblocker können die Leber schädigen

NACHRICHTEN

 
Studie: Säureblocker können die Leber schädigen
 


Eine Studie mit Mäusen und alkoholabhängigen Menschen deutet darauf hin, dass die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) indirekt die Leber schädigt. Den im Fachjournal «Nature Communications» veröffentlichten Ergebnissen zufolge beruht die Schädigung auf einer Veränderung der Darmflora durch den Anstieg des pH-Werts im Magen. Aus Sicht der Forscher um Seniorautor Professor Dr. Bernd Schnabl von der University of California San Diego ist es bedenklich, dass Patienten mit chronischer Lebererkrankung besonders häufig mit PPI behandelt werden. Die Wissenschaftler raten zu einem zurückhaltenden Einsatz der Säureblocker bei diesen Patienten.

 

Für ihr Experiment verwendeten die Forscher ein Mausmodell mit nicht alkoholischer Fettleber-Erkrankung (NAFL) beziehungsweise der entzündlichen Variante der Fettleber, der nicht alkoholischen Steatohepatitis (NASH). Bei diesen Tieren wurde entweder durch den PPI Omeprazol oder durch gentechnische Veränderung die Magensäure-Produktion unterbunden. Der Vergleich des Darm-Mikrobioms dieser Mäuse mit dem von Tieren mit normaler Säureproduktion zeigte eine Verschiebung hin zu mehr Bakterien der Gattung Entercoccus. Dies begünstigte eine Leberentzündung und in der Folge die Entwicklung von NAFL, NASH und Alkohol-induziertem Leberschaden. Indem sie Mäuse mit intakter Darmflora mit Enterococcus faecalis kolonisierten, konnten die Forscher zeigen, dass die Dominanz von Enterokokken im Mikrobiom tatsächlich die Ursache dieser Entwicklung war. Die so behandelten Tiere entwickelten daraufhin ebenfalls eine milde Steatose und verstärkt Alkohol-bedingte Leberschäden.

 

Um die Übertragbarkeit auf den Menschen zu untersuchen, werteten die Autoren die Daten von 4830 Patienten mit chronischem Alkoholmissbrauch aus. Von diesen nahmen 21 Prozent PPI ein und auch bei ihnen zeigten sich im Stuhl erhöhte Konzentrationen von Enterokokken. Diese Patienten hatten ein Risiko von 20,7 Prozent, innerhalb von zehn Jahren eine alkoholische Lebererkrankung zu entwickeln. Bei denjenigen, die früher PPI angewendet hatten, das aber nicht mehr taten, betrug das Risiko 16,1 Prozent und bei Patienten, die noch nie PPI eingenommen hatten, 12,4 Prozent.

 

«Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die stark angestiegene Verwendung von Säureblockern zur ebenfalls gestiegenen Häufigkeit von chronischen Lebererkrankungen beigetragen haben könnte», sagt Schnabl in einer Mitteilung der Universität. Hauptrisikofaktor für die Entwicklung von NAFL und NASH ist Adipositas und Adipöse greifen wiederum auch häufiger zu PPI als Normalgewichtige – ein Teufelskreis. Gewichtsreduktion sowie Zurückhaltung bei Alkohol, Kaffee, Fett und scharfen Gewürzen sei für diese Patienten die leberschonendste Möglichkeit, saures Aufstoßen zu behandeln. Andere Antacida hätten dagegen vermutlich auch einen negativen Effekt auf die Zusammensetzung der Darmflora, weil auch sie die Säurekonzentration im Magen effektiv reduzieren könnten, so Schnabl. (am)

 

DOI: 10.1038/s41467-017-00796-x

 

11.10.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Andrzej Tokarski (Symbolbild)

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Angst vor Spinnen und Schlangen ist angeboren

Die Abneigung gegenüber Schlangen und Spinnen ist von klein auf in uns angelegt. Das haben Forscher vom Max-Planck-Instituts (MPI) für...



Warentest: Versandapotheken beraten mangelhaft

Wer Medikamente bei einer Versandapotheke bestellt, wird häufig nicht über Risiken und drohende Wechselwirkungen aufgeklärt. Das hat ein...



SGLT-2-Hemmer: Studie findet kein erhöhtes Amputationsrisiko

Nachdem die Europäische Arzneimittelagentur EMA Anfang des Jahres vor einem erhöhten Risiko für Zehenamputationen unter der Einnahme von...



USA: Zweite CAR-T-Zell-Therapie zugelassen

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat eine weitere Immuntherapie zur Behandlung von Krebs zugelassen. Axicabtagen Ciloleucel...

 
 

Mögliches Glyphosat-Verbot: Und was kommt danach?
Am morgigen 25. Oktober will ein Expertengremium der EU-Länder erneut über die Verlängerung der Genehmigung für Glyphosat um zehn Jahre...

Schöner Schauer: Was beim Gruseln im Gehirn passiert
Mit Halloween nahen sie wieder: Unheimliche Clowns, Vampire und Zombies, ebenso wie neue Grusel- und Katastrophenfilme – Gründe genug, sich...

Glyphosat-Abstimmung: Gegner protestieren in Brüssel
Stellvertretend für mehr als eine Million EU-Bürger haben Umweltschützer in Brüssel ein Verbot des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels...

Jamaika-Sondierungen: Nächste Woche geht es um Gesundheit
In den Sondierungsgesprächen für ein Jamaika-Bündnis wird voraussichtlich am 1. November das Thema Gesundheit auf den Verhandlungstisch...

Schweiz: Rx in Apotheken künftig auch ohne Rezept
Schweizer Apotheker sollen bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente künftig ohne Arztrezept abgeben dürfen. Das sieht eine geplante...

AoG: Einsatz in der Karibik läuft weiter
Seit dem 9. Oktober ist die deutsche Hilfsorganisation Apotheker ohne Grenzen (AoG) in der Karibik im Einsatz. Im Inselstaat Dominica in...

OP-Statistik: Hälfte der Operierten ist 60 oder älter
Gut die Hälfte der Patienten, die im vergangenen Jahr bei einem stationären Krankenhausaufenthalt operiert wurden, war 60 Jahre und älter....

Valsartan: Vermehrte Verordnung belastet Gewässer
Häufig verschriebene Blutdrucksenker könnten in Zukunft die Umwelt und die Trinkwasserqualität beeinträchtigen. Ärzte könnten mit der...

Demenz: Computerprogramm soll Kommunikation fördern
Je weiter die Demenz fortschreitet, desto mehr ziehen sich viele Betroffene zurück, auch von ihren Angehörigen. Forscher der Hochschule...

Infektionskrankheiten: Merkel ruft zu Impfungen auf
Zum Schutz vor Infektionskrankheiten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Impfen aufgerufen. Es gelte, Risiken von schwierigen...

Patientenschützer: Schnelle Reform des Pflege-TÜV tut not
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat von der neuen Bundesregierung rasch eine Reform des sogenannten Pflege-TÜVs angemahnt. «Der neue...

Nach Protesten: Mugabe nicht mehr WHO-Sonderbotschafter
Nach internationalen Protesten hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Berufung von Simbabwes Präsident Robert Mugabe zum...

Reform bringt Pflegeleistungen für weitere 220.000 Menschen
Durch die jüngste Pflegereform ist die Zahl der Menschen mit Leistungen aus der Pflegeversicherung stark gestiegen. So gab es von Januar...

Schlaf-Wach-Rhythmus: Wie wir auf den Winter reagieren
Der Mensch braucht keinen Winterschlaf. Der Grund: Er muss weder wegen der Kälte Energie sparen, noch ist die Nahrung knapp. Dennoch...

So macht Adipositas Brustkrebs aggressiver
Botenstoffe, die im Blut fettleibiger Patienten gehäuft auftreten, sind offenbar in der Lage, Brustkrebszellen gefährlicher zu machen. Das...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU