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Brandenburg

In die Apotheke zu investieren, lohnt sich

Berufspolitisch ist 2019 bis jetzt ein sehr turbulentes Jahr gewesen. Darin waren sich die Referenten und Teilnehmer des fünften Apothekerforums Brandenburg einig. Die Veranstaltung, die Fortbildung, Dialog und Mitgliederversammlung verbindet, fand dieses Mal in der Alten Ölmühle statt, einem Industriedenkmal und Hotel in Wittenberge an der Elbe.
Jennifer Evans
28.10.2019
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Noch nie zuvor hat es nach Angaben von Olaf Behrendt, Vorsitzender des Brandenburger Apothekerverbands (AVB), ein Jahr »mit so vielen außerordentlichen Sitzungen und Telefonkonferenzen gegeben«. Einige Themen, die den Berufsstand beschäftigt haben und nach wie vor immer noch umtreiben, hob Behrendt besonders hervor. Darunter das Problem der Lieferengpässe. In diesem Punkt sieht er die Politik in der Pflicht. Die Apotheker ihrerseits täten schon alles, um die Versorgung aufrecht zu halten. Das sei aber manchmal sehr schwer, sagte er. Damit war er mit seiner Kritik in Richtung Politik aber noch nicht am Ende. Geärgert hat den AVB-Vorsitzenden die Haltung, die Bundgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) kürzlich beim Deutschen Apothekertag in Düsseldorf an den Tag gelegt hatte. Dort hatte der Minister angekündigt, die politische Arbeit in Sachen Apothekenreform einzustellen, sollten die Apotheker zusammen mit dem Bundesrat ein Rx-Versandverbot durchsetzen wollen. Die Länderkammer hatte sich im September mehrheitlich für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ausgesprochen und könnte theoretisch selbst einen entsprechenden Gesetzentwurf einbringen. Behrendt empörte sich über Spahn: »Wenn ein Minister sagt, ich stelle meine Arbeit ein, dann hat er seinen Amtseid nicht verstanden.« Auch betonte der AVB-Chef, dass die geplante Reform »uns nicht rettet«. Lediglich »als Schmankerl« wertete er die bessere Vergütung für Nacht- und Notdienste sowie die vorgesehenen honorierten pharmazeutischen Dienstleistungen. Das alles könne nicht über die »fehlende Gleichpreisigkeit hinwegtäuschen«.

Weitaus positiver steht Behrendt dem Fälschungschutzsystem Securpharm gegenüber. Seit Februar müssen Apotheken alle Rx-Packungen per Scan auf Echtheit prüfen. Die Einführung ist in Behrendts Augen »reibungsloser verlaufen als gedacht«. Darüber hinaus glaubt er an den Erfolg der Web-App des Deutschen Apothekerverbands (DAV). Die einheitliche Lösung für das E-Rezept könne aber nur dann funktionieren, wenn die Apotheker an einem Strang zögen. Auf Kooperation setzt der AVB-Chef aber auch noch in einem anderen Bereich. Er wünscht sich, dass Verband und Kammer in Brandenburg künftig noch enger zusammenabreiten, um Ressourcen zu bündeln. Darüber hinaus will er sich mit den benachbarten Apothekerverbänden stärker vernetzen, um in Zukunft »einheitlich reagieren« zu können.

Wissensmanagement ist entscheidend

Dass Kommunikation das A und O ist, unterstrich auch Dr. Ralf Goebel, Fachapotheker für Arzneimittelinformation und Gründer der PharmaSat-Akademie, in seinem Vortrag. Demnach ist das Wissen des Apotheken-Teams eine der entscheidenden Ressourcen im Unternehmen. Dieses Wissen müsse nur entsprechend gemanagt werden, vor allem in Zeiten von zunehmender Bürokratie sowie Liefer- und Personalengpässen. In einem modernen Apothekenbetrieb dürfe sich Spezialwissen nicht mehr auf einzelne Mitarbeiter erstrecken. Er empfiehlt eine sogenannte Wissens-Landkarte zu erstellen, um Wissens-Inseln und -lücken besser identifizieren zu können und dann zu schließen. Dabei sei zwischen einem expliziten Wissen, das aus Fakten besteht, und einem implizierten Wissen, das im Können oder Handeln einer Person zu Ausdruck kommt, zu unterscheiden. Im nächsten Schritt gilt es Goebel zufolge diese Kenntnisse und Fertigkeiten nutzbar zu machen und sie zu verteilen, etwa indem weitere Personen sich in bestimmen Bereichen fortbilden. Ziel eines jeden Apotheken-Teams müsse es sein, schneller als die Patienten an Gesundheitsinformationen zu kommen, um umfassend beraten zu können. Die Vorzüge eines guten Wissensmanagements liegen für Goebel klar auf der Hand: Zum einen bringe es Wettbewerbsvorteile und binde Mitarbeiter und Kunden an die Apotheke. Zum anderen sieht er darin einen Qualitäts- und Sicherheitsfaktor, weil auf diese Weise viele Fehler – auch in Zeiten von Personalengpässen – vermieden werden können. Ferner motiviere das Teilen und Entwickeln von Wissen die Mitarbeiter. Seiner Ansicht nach macht ein gutes Wissensmanagement den Wert einer Apotheke aus.

Wie sich eine Offizin in Zahlen bewerten lässt, darüber referierte der Diplom-Betriebswirt und Geschäftsführer des Hessischen Apothekerverbands, Jürgen Schneider. Wertbeeinflussende Faktoren sind neben der Ertragslage demnach die Führungs- und Leistungsstruktur eines Betriebs, die Qualifikation der Mitarbeiter sowie die Wettbewerbslage, das Umfeld und der Standort. Wichtig ist Schneider zufolge zudem, gründlich zu prüfen, woher die Erlöse der eigenen Apotheke eigentlich stammen. Ist es etwa der Rezeptumsatz, sind es Krankenhausbelieferungen oder die Großhandelstätigkeiten, die eine tragende Rolle spielen? Auch müsse man die Kostenseite, Standortfaktoren und den Substanzwert der Einrichtung genau unter die Lupe nehmen. Nach Angaben des Betriebswirts bewegen sich die Übernahmepreise je nach geografischer Lage durchschnittlich zwischen rund 420.000 Euro und 500.000 Euro (Stand 2018). »Apotheken, die gut laufen, sind gefragt«. Insbesondere für Offizinen in mittleren und kleineren Städten gebe es am meisten Geld, so Schneider.

Chemie im Kino

Schließlich beleuchtete Professor Dr. Christoph Friedrich, Direktor des Instituts für die Geschichte der Pharmazie an der Universität Marburg, das literarische Werk von Theodor Fontane. Der Geburtstag des Schriftstellers und Apothekers jährt sich nun zum 200. Mal. Friedrich zufolge hatte Fontane zu Beginn seiner Tätigkeit als Autor Bezüge zu seiner vorangegangenen pharmazeutischen Tätigkeit weitgehend vermieden. Erst in seinem Spätwerk tauchen demnach immer häufiger Dialoge zwischen Romanfiguren auf, in denen Fontanes Arzneimittel-Expertise deutlich wird.

Einen Fakten-Check in Sachen Arzneimittel-Fachwissen lieferte Andreas Link, Professor für pharmazeutische/medizinische Chemie an die Universität Greifswald, in seinem Vortrag über pharmazeutische Chemie im Kino. Demnach ist der ein oder andere Giftanschlag auf den Agenten James Bond durchaus realistisch, andere Kino-Klassiker hingegen bringen den Experten eher zum Schmunzeln. Im Kassenschlager »Casino Royale« etwa bemerkt der 007-Agent das Gift in seinem Martini noch rechtzeitig und bringt sich mit einer gesättigten Kochsalzlösung selbst zum Erbrechen. »Er hat alles richtig gemacht«, lobte Link.

Juristische Herausforderungen

Etwas nüchterner ging es am zweiten Tag der Veranstaltung mit dem Vortrag von Lutz Tisch, der den Geschäftsbereich Recht bei der ABDA leitet, weiter. Er informierte die Teilnehmer des Forums darüber, welche juristischen Herausforderungen es angesichts der derzeitigen politischen Entwicklungen für den Berufsstand zu meistern gilt. Dazu zählen etwa eine Regelmentierung der telepharmazeutischen Beratung, die Bindung automatisierter Abgabestationen an die Apothekenräume sowie das Verbot, dass diese Stationen automatisch beschickt werden können. Zudem müsse ein Sammel-, Makel- und Zuweisungsverbot auch auf Dritte ausgeweitet werden, so Tisch. Darüber hinaus müssten die geplanten pharmazeutischen Dienstleistungen in Zukunft apothekenpflichtig werden, damit nicht andere Anbieter in den Markt drängen. Der Jurist hielt sich mit Bewertungen bewusst zurück. Umso konkreter äußerte er sich jedoch beim Thema Arzneimittel-Abgabeautomat: »Hüffenhardt ist noch nicht vom Tisch«. Insgesamt riet er den Apothekern »mit einem Bewusstsein für die Lage, aber nicht ohne Optimismus in die Zukunft zu schauen«.

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