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Grippeimpfstoffe

Importe laufen an

Bundesweit nutzen derzeit immer mehr Apotheken die Möglichkeit, tetravalente Grippeimpfstoffe aus dem Ausland zu importieren. Auch geben Offizinen die begehrten Vakzine untereinander weiter – das jedoch immer seltener, je knapper sie insgesamt werden.
Anna Pannen
06.12.2018
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In immer mehr Bundesländern dürfen Apotheker nun tetravalente Grippeimpfstoffe aus dem europäischen Ausland importieren. Möglich ist das, nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Ende November offiziell einen Versorgungsnotstand ausgerufen hatte. Diese Strategie erlaubt es, von den strengen Vorgaben des Arzneimittelgesetzes abzuweichen und etwa in Fremdsprachen beschriftete Impfstoffe abzugeben.

Unter anderem in Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, im Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dürfen Apotheker nun offiziell Grippeimpfstoffe importieren. Andere Bundesländer wollen folgen. In Baden-Württemberg etwa will das Sozialministerium am 8. Dezember sein Okay geben.

Unterschiedlich ist allerdings je nach Bundesland die Art und Weise der Erlaubnis: Während in den meisten Ländern die Gesundheits- oder Sozialbehörden eine Importerlaubnis erlassen, ist in anderen die Apothekerkammer selbst dafür zuständig. In wieder anderen muss jeder Landkreis die Erlaubnis gesondert geben.

Die Apotheker selbst sind naturgemäß wenig erfreut darüber, die Impfstoffe nun importieren zu müssen, statt sie bequem über den Großhandel zu beziehen. Schließlich bedeutet jeder Import eine Menge Aufwand für sie. Wenn möglich, beziehen Offizinen den Impfstoff derzeit also über Kollegen. Auch das erlaubt die Apothekenbetriebsordnung in Ausnahmesituationen wie einem Versorgungsnotstand. Bayern war hier Vorreiter, der Landesapothekerverband hatte eine offizielle Tauschbörse auf seiner Homepage ins Leben gerufen. Diese sei auch genutzt worden, erklärte eine Sprecherin. Allerdings nicht allzu häufig, da es inzwischen ohnehin nicht mehr viele übriggebliebene Impfstoffdosen gebe.

In Baden-Württemberg haben Ärzte und Apotheker derweil gemeinsam mit der Landes-AOK gefordert, der Bund müsse im kommenden Jahr eine Grippeimpfstoff-Reserve einrichten. Wie berichtet, war der Prozess der Bestellung und Verteilung in diesem Jahr in einigen Regionen Deutschlands suboptimal verlaufen und hatte nur dort relativ problemlos funktioniert, wo Kassen und Apotheker eine Liefervereinbarung mit einem Hersteller geschlossen hatten. Nur die Apotheker dort waren früh über die Impfstoffpreise informiert und mussten keine Retaxierungen fürchten. Liefervereinbarungen sind jedoch umstritten und werden von einigen Herstellern rigoros abgelehnt.

Eine Vorhaltung des Bundes könnte laut den Initiatoren in Baden-Württemberg eine Alternative sein. Es müsse eine nationale Impfstoff- und Arzneimittelreserve geschaffen werden, erklärte LAV-Chef Fritz Becker. Hersteller und Großhandel müssten zur Reservehaltung verpflichtet werden, der Bund die Kosten tragen. Norbert Metke, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, schloss sich an. »Wir haben kein Verständnis dafür, dass es in einem der höchst entwickelten Länder der Welt nicht möglich ist, ausreichend Impfstoff zur Verfügung zu stellen«, sagte er. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf.

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