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Tierisch kritisch
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Impfskepsis bei Tierhaltern boomt

Die Impfskepsis greift auch auf die Tiermedizin über. Manche Tierhalter verweigern den Piks selbst dann, wenn er den Vierbeiner gegen Krankheiten wie Tollwut schützen soll. Wissenschaftler warnen vor Risiken – für Tier und Mensch.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 17.03.2026  10:30 Uhr

Die Covid-19-Pandemie hat das Misstrauen gegenüber Impfungen befeuert. Darin sind sich Experten weltweit einig. Kritiker hatten entweder Angst vor Langzeitfolgen, sorgten sich vor einer vermeintlichen Überlastung des Immunsystems oder trauten ihrem Gesundheitssystem nicht über den Weg.

Inzwischen zögern einige Menschen nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei ihren Haustieren – selbst bei tödlich verlaufenden Krankheiten wie Tollwut. Die Gründe für die Zurückhaltung zeigen Parallelen zur Anti-Impf-Haltung in der Humanmedizin. Das berichtet die Tageszeitung »New York Times« (NYT).

Die Tierärztin Dr. Kelly McGuire, Eigentümerin des »Wildflower Veterinary Hospital« in Colorado, musste nach eigenen Angaben bereits viele schmerzliche Situationen miterleben, weil Tierhalter sich gegen eine Impfung entschieden. »Diese Haustiere hätten wahrscheinlich überlebt, wenn sie alle empfohlenen Impfungen erhalten hätten«, zitiert die Zeitung sie. Als Beispiel nennt McGuire Fälle von Parvovirus oder Leptospirose. Diese vermeidbaren Todesfälle seien für sie herzzerreißend gewesen.

Für den größten Teil ihrer Karriere wären Impfungen bloße Routine gewesen, berichtet die Tierärztin. Erst nach dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie habe sie lange und manchmal kontroverse Diskussionen über die Sicherheit und Notwendigkeit von Impfungen geführt. Tierbesitzer hätten ihr sogar vorgeworfen, Impfungen zu forcieren, um sich selbst zu bereichern. Und andere lehnten die Vakzinen gänzlich ab.

Ungeimpfte Tierhalter  – ungeimpte Vierbeiner

Ihren Eindruck teilt auch Dr. Richard Ford, emeritierter Professor am College of Veterinary Medicine der North Carolina State University, der die nationalen Impfempfehlungen für Katzen und Hunde mit ausarbeitete. »Ich spreche jedes Jahr mit Tausenden von Tierärzten im ganzen Land, und die Mehrheit sieht sich mit dieser Thematik konfrontiert«, betonte er gegenüber der NYT.

Die Skepsis der Haustierhalter lässt sich laut Zeitungsbericht auch in Zahlen belegen. Bereits im Jahr 2023 äußerten laut einer US-Studie im Fachjournal »Vaccine« bereits 52 Prozent von ihnen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit, Wirksamkeit oder Bedeutung von Impfungen. Ein Jahr später stufte eine weitere Untersuchung im »Journal of the American Veterinary Medical Association« (AVMA) 22 Prozent der amerikanischen Hundebesitzer und 26 Prozent der Katzenbesitzer als impfkritisch ein.

Die Pandemie hat die Einstellung zu allen Impfstoffen verändert, einschließlich der für Haustiere. Eine Studie aus Brasilien belegt den Zusammenhang. Tierhalter, die selbst nicht vollständig gegen Covid-19 geimpft waren, hatten mit höherer Wahrscheinlichkeit auch ungeimpfte Haustiere.

Liebe mit Risiko

Der Übertragungseffekt überrascht Lori Kogan, Professorin für Mensch-Tier-Interaktionen an der Colorado State University, nicht. Für viele Menschen seien die Haustiere vollwertige Familienmitglieder: »Für mich ist es völlig nachvollziehbar, dass sie von Impfstoffen für Menschen auf Impfstoffe für Haustiere verallgemeinern und zu denselben Schlussfolgerungen kommen«, sagte sie der NYT.

Experten beobachten die Anti-Impf-Bewegung in der Veterinärmedizin mit großer Sorge. Sie befürchten neben einem Rückgang der Impfquoten eine Lockerung der Impfgesetze für Tiere und damit die Rückkehr von Infektionskrankheiten. Das Risiko besteht demnach nicht nur für Tier, sondern auch für den Menschen – immerhin umarmen und küssen viele ihre geliebten Haustiere oder teilen sogar mit ihnen das Bett.

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