Pharmazeutische Zeitung online
Erfahrungsbericht

Impfen will gelernt sein

In anderen europäischen Ländern wie Frankreich, England, Irland und der Schweiz ist es längst üblich, dass auch Apotheker impfen. Das muss ­jedoch gelernt sein. Die Schweizer Apotheker werden in speziellen Kursen sorgfältig darauf vorbereitet.
Felix Eggert
22.11.2018
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Über die Plattform Apokey.ch, auf der man alles rund um Impfen, Injektionen und Blutentnahmen für Apotheker erfahren kann, meldet man sich zum Kurs an. Dieser ist von der Foederatio Pharmaceutica Helvetiae (FPH) anerkannt, welche auch Fortbildungspunkte da­rüber ausstellt sowie die Lernziele festlegt.

Bei Apokey.ch bereitet man sich zunächst online auf die Kursteilnahme vor. In insgesamt etwa neun Stunden wird man durch die wichtigsten Lernabschnitte geführt.

Dazu zählen zum Beispiel immunologische Grundlagen, Impfstoffarten, Epidemiologie, Transport, Lagerung, Zubereitung und Entsorgung von Impfstoffen, Recht, Notfallsituationen und Risikopatienten. Das E-Learning wird mit einem Testat abgeschlossen, das einen zur Teilnahme am realen Impfkurs berechtigt. Teilnahmeberechtigt sind nur Apotheker.

Theoretischer Teil

Im Kursteil 1 »Impfungen« mit etwa 20 Teilnehmern werden dann in Zürich die Lerninhalte im Seminarstil abgearbeitet. Die wichtigsten Lerninhalte sind das Lesen eines Impfplans und die Bestimmung der erforderlichen Impfungen beziehungsweise Auffrischungen sowie genaue Kenntnisse des schweizerischen Impfplans. In praktischen Übungen werden erforderliche beziehungsweise fehlende Impfungen in diversen Impfausweisen von Patienten ergänzt. Da es sich um Patienten unterschiedlichen Alters und verschiedener Risikogruppen handelt, sind Impfempfehlungen individuell abzustimmen. Diese Ausarbeitung und Ergänzung erfolgt manuell und elektronisch unter Zuhilfenahme eines elektronischen Impfausweises auf www.meineimpfungen.ch.

Die Identifizierung von Risikogruppen, beispielsweise Schwangeren, muss jedem Teilnehmer geläufig sein. Auch die unerwünschten Wirkungen und Kontraindikationen von Impfstoffen, etwa bei Patienten unter Immunsuppression, werden eingehend besprochen. So wird in diesem Zusammenhang immer darauf hingewiesen, dass bei Unsicherheiten an den Arzt überwiesen werden soll. Das Erkennen anderer Kontraindikationen bei Impfungen, wie eine länger andauernde Therapie mit Glucocorticoiden in hoher Dosis, setzt ein dokumentiertes Gespräch zwischen Apotheker und Patient voraus.

Generell werden unerwünschte Wirkungen von Impfstoffen in einem Meldeverfahren an die Schweizer Behörden weitergegeben. Wie in Deutschland ist dieses unbedingte Pflicht und wird anhand spezieller Formulare erfasst.

Die verpflichtenden Informationen seitens des Apothekers für den Patienten anlässlich einer Impfstoffverabreichung werden an zahlreichen Beispielen besprochen. In der Schweiz können Patienten kantonsabhängig ab einem Alter von 18 Jahren in der Apotheke geimpft werden.

Praktischer Teil

Im Kursteil 2 »Injektions- und Blutentnahmetechniken« werden die theoretischen Aspekte zur Verabreichung von Impfstoffen sowie verschiedene Injektionstechniken direkt in die Praxis umgesetzt. Dazu verabreichen sich die Kursteilnehmer gegenseitig subkutan und intramuskulär Injektionen mit physiologischer Kochsalzlösung und üben kapillare und venöse Blutentnahmen. Auch hier wird über das Vorgehen bei Risikopatienten und schwierigen Venenverhältnissen gesprochen. Gemeinsam ist allen Teilnehmern, dass aus dem Studium hier keine Erfahrung mitgebracht wird.

Aktuelles zum Thema Impfungen, wie FSME-Risikogebiete sowie Verfügbarkeit beziehungsweise Lieferfähigkeit von Impfstoffen, sind ebenfalls ein wichtiges Thema im Kurs. Zudem wird trainiert, wie man den Nutzen von Impfungen richtig argumentiert und welche Auswirkungen das (Nicht-) Impfen auf das öffentliche Gesundheitswesen haben kann.

Am Ende des Kurses ist eine anspruchsvolle Abschlussprüfung abzulegen. Der Prüfungsstoff ist in den Lernzielen des FPH-Fortbildungsprogramms »Impfen und Blutentnahme« festgelegt. Die Abschlussprüfung im Kursteil 1 besteht aus 32 Multiple-Choice-Fragen und muss online in genau 60 Minuten abgelegt werden. Jeder Teilnehmer erhält dabei andere Fragen und muss das Zeitfenster strikt einhalten. Das Ergebnis von mindestens 22 richtigen Antworten wird sofort online angezeigt. Im Kursteil 2 muss jeder Kursteilnehmer unter Aufsicht fehlerfrei eine Impfung und eine Blutentnahme durchführen. Nach bestandener Abschlussprüfung erhält der Teilnehmer ein Testat.

Die Kursgebühr beträgt circa 900 Euro pro Kursteil und ist in Vorauszahlung zu leisten. Nach Zusendung der Kantonalen Erlaubnisurkunde für das Impfen in der Apotheke, muss alle zwei Jahre ein Auffrischungskurs absolviert werden. Auch wenn Apotheker in Deutschland nicht impfen dürfen, kann die Fortbildung eine große Bereicherung für sie sein. Impfen in öffentlichen Apotheken wäre auch hierzulande hinsichtlich

einer guten Durchimpfungsrate und damit einer besseren Herdenimmunität durchaus wünschenswert.

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