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Covid-19-Impfungen

Impfbereitschaft schwankt zwischen 55 und 89 Prozent

Die derzeitige Bereitschaft der Bevölkerung, sich in den kommenden Monaten gegen das neue Coronavirus impfen zu lassen, hängt auch am Vertrauen in die jeweilige Regierung, zeigt ein heute in »Nature Medicine« veröffentlichter Ländervergleich.
Daniela Hüttemann
20.10.2020  15:56 Uhr

Obwohl die meisten Menschen wahrscheinlich zu einer Impfung gegen Covid-19 bereit sein werden – den Nachweis von Sicherheit und Wirksamkeit vorausgesetzt –, könnte das Zögern derjenigen, die die Impfung ablehnen, die weltweiten Bemühungen um eine Immunität der Gemeinschaft zum Erliegen bringen, vermutet eine Gruppe um den Gesundheitssystem-Forscher Professor Dr. Jeffrey Lazarus vom Barcelona Institute for Global Health.

Sie sind Autoren der ersten veröffentlichten Studie zur globalen Akzeptanz einer Covid-19-Impfung, die heute im Fachjournal »Nature Medicine« erschienen ist. Dafür befragten sie im Juni 13.426 Personen in 19 Ländern, darunter auch Deutschland zu ihrer Impfbereitschaft gegen SARS-CoV-2. Insgesamt sagten 71,5 Prozent, sie wollen sich impfen lassen, wenn es eine sichere und wirksame Impfung gibt. 61,4 Prozent würden sich immunisieren lassen, wenn ihr Arbeitgeber eine entsprechende Empfehlung ausspräche. 

Die Unterschiede von Land zu Land sind jedoch enorm – und hängen Lazarus und Kollegen zufolge auch vom Vertrauen der Bevölkerung in ihre Regierung ab. Die höchste Akzeptanz verbucht China mit 88,62 Prozent, die niedrigste Russland mit 54,85 Prozent, obwohl auch das größte Land der Welt heftig von der Corona-Pandemie betroffen ist. Neben China gehören Brasilien, Südafrika und Südkorea zu den impfwilligsten Nationen. In den USA wollen sich drei Viertel der Befragten impfen lassen. Deutschland liegt im hinteren Mittelfeld mit 68,42 Prozent.

Besser kein Impfzwang

Die Umfrage zeige auch, dass die Menschen sich lieber freiwillig impfen lassen, als wenn es ihnen von ihrem Arbeitgeber empfohlen wird. Freiwilligkeit sei daher die bessere Strategie, um eine hohe Compliance zu erreichen, so die Autoren. Zudem hing die Impfbereitschaft vom Vertrauen in die eigene Regierung ab.

Grundsätzlich müsse besser verstanden werden, warum Menschen sich nicht impfen lassen wollen und wie man diese Bedenken besser adressieren kann, sonst werde es sich verzögern, die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. Es reiche nicht aus, wenn die Regierungen hoffentlich bald verkünden können, dass die Impfung wirksam und sicher ist.

»Strategien zum Aufbau von Akzeptanz müssen sich mit gemeindespezifischen Anliegen und historischen Problemen des Misstrauens befassen und religiöse und philosophische Überzeugungen berücksichtigen«, so die Empfehlung der Forscher. »Die Regierungen sollten klare und konsistente Ratschläge erteilen, und eine glaubwürdige, kulturell informierte Gesundheitskommunikation wird der Schlüssel zur Beeinflussung der Impfstoffakzeptanz sein.«

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