| Jennifer Evans |
| 27.10.2026 08:00 Uhr |
Bienenwachs, Honig und Pollen wirken wie ein lebendiges Immunsystem, das Krankheiten vom Bienenvolk fernhält. / © Shutterstock/Alexander Wallstrom
Körperkontakt zwischen Nestgenossen, gemeinsames Essen und ein stabiles Mikroklima im Bienenstock – Krankheitserreger haben in der Kolonie ein leichtes Spiel. Um aber die Gruppe zu schützen, nutzen Bienen laut einer Studie, die in der mikrobiologischen Fachzeitschrift »ISME Communications« erschienen ist, die sogenannte soziale Immunität. Im Gegensatz zu individuellen Immunreaktionen entsteht diese durch koordiniertes Handeln und gemeinsam genutzte Ressourcen. Dazu gehören etwa bestimmte Verhaltensweisen, Immunreaktionen oder chemische Abwehrstoffe.
Den Forschenden zufolge tragen die Bienen antimikrobielle Substanzen direkt auf die Nestoberfläche auf oder arbeiten diese in das Nestmaterial ein. Als Modell diente die Europäische Honigbiene (Apis mellifera). Die benötigten Substrate produzieren die Insekten entweder selbst oder entnehmen sie der Umwelt. Die Immunität schreiben sie dem H2O2 im Honig, Flavonoiden in Propolis und Wachs sowie polaren aliphatischen Verbindungen im Pollen zu – verteilt über Brutzellen, Nahrungsvorräte oder Nestsubstrate.
Wie sich außerdem zeigte, nimmt die antimikrobielle Aktivität mit der Entfernung vom Inneren der Kolonie ab. Auch die mikrobiellen Gemeinschaften verändern sich, besonders deutlich bei Bakterien und krankheitserregenden Taxa. Offenbar unterdrücken die Tiere gezielt schädliche Mikroben, während neutrale oder nützliche Arten bestehen bleiben.
Wie stark diese Schutzwirkung ausfällt, hängt laut Studie vom Standort der Imkerei, dem Gesundheitszustand des Bienenvolkes und der Schädlingsbelastung ab. Der Bienenstock ähnelt damit einem räumlich organisierten Abwehrsystem, dessen Schutzwirkung nicht durch die Eigenschaft eines einzelnen Materials entsteht, sondern aus dem koordinierten Einsatz in der gesamten Kolonie.