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Covid-19

Immer mehr gefälschte Corona-Impfausweise

Im Zuge der verschärften Coronaregeln bei gleichzeitigem Ende der kostenlosen Bürgertests nimmt auch der Handel mit gefälschten Impfausweisen und digitalen Impfzertifikaten Fahrt auf. Den Ermittlern in Bayern ist nun ein Schlag gegen eine Betrügerbande gelungen. Doch der illegale Markt boomt - analog und digital. Viele Fälle bleiben anscheinend unentdeckt - auch, weil die Überprüfung von Impfpässen nicht einfach ist.
dpa
PZ
25.10.2021  13:06 Uhr

Ohne Impfung mehr Freiheiten im Alltag: Um die Vorteile eines Impfnachweises zu erhalten, ohne selbst geimpft zu sein, gehen immer mehr Menschen den illegalen Weg. Sie versuchen mit gefälschten Impfnachweisen in Apotheken ein Impfzertifikat zu erschleichen. In München ist der Polizei nun ein größerer Schlag gegen Fälscher gelungen: Polizisten haben eine Betrügerbande dingfest gemacht, die Hunderte gefälschte QR-Codes für den digitalen Corona-Impfausweis hergestellt und im Internet verkauft haben soll. Sie fanden bei der Aktion am vergangenen Freitag Geld und Kryptowährungen von fast 100 000 Euro, zwei Personen wurden verhaftet. Doch das Problem dürfte damit kaum gelöst sein. Denn Bayerns Polizei registriert immer mehr Impfausweise mit gefälschten Corona-Zertifikaten.

»Wir gehen davon aus, dass immer mehr gefälschte Impfausweise im Umlauf sind«, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München. Unabhängig von dem Schlag gegen

die Fälscherbande vom Freitag hat die Bayerische Polizei demnach 440 Fälle registriert, die im Zusammenhang mit der Fälschung von Impfpässen, Impfzertifikaten oder Impfstoffetiketten stehen. Anfang

September waren es gerade erst 110 Fälle gewesen.

Gefälschte Impfausweise sind ein bundesweites Problem. Seitdem es Ungeimpfte im Alltag deutlich schwerer haben, etwa bei Besuchen in Restaurants oder Theatern, haben die Corona-Zertifikate an Wert gewonnen, da sie die ansonsten für viele Menschen kostenpflichtigen Tests meist überflüssig machen. Die Ministerpräsidentenkonferenz forderte den Bund am Freitag per Beschluss auf, kurzfristig zu prüfen, wie die Fälschung von Impf-, Genesenen- und Testbescheinigungen lückenlos und angemessen bestraft werden kann.

350 Euro für einen digitalen Impfausweis

Im Münchner Fall waren eine Apotheke und Privatwohnungen durchsucht worden. Seit Mitte August sollen die Betrüger Fake-Codes auf einem deutschsprachigen Cybercrime-Forum im Internet angeboten haben, wie die zuständigen Ermittler der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG) mitteilten. 350 Euro musste man demnach zuletzt dafür hinlegen, um einen digitalen Impfausweis zu bekommen - ohne gegen das Coronavirus geimpft worden zu sein. Allein im Oktober sollen die Fälscher mehr als 500 Impfzertifikate ausgestellt haben. Sie sollen die IT-Infrastruktur der Münchner Apotheke genutzt haben. Eine Apothekenmitarbeiterin und ein Komplize kamen in Untersuchungshaft. Der Apotheker selbst sei nicht beschuldigt, betonten die Ermittler.

Hunderte Menschen dürften sich allein bei den am Freitag in München dingfest gemachten Betrügern falsche digitale Impfausweise besorgt haben. Laut dem bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg angesiedelten ZKG ist es aber nicht möglich, ihre Namen zu ermitteln. Unklar ist, ob ihre gefälschten Impfausweise gelöscht oder ungültig gemacht werden können. Gefälschte Impfausweise können Straftatbestände wie Urkundenfälschung erfüllen. Wer sie in Verkehr bringt oder nutzt, macht sich strafbar, in der Folge sind sogar Freiheitsstrafen möglich.

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